Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit)

Trypanosoma sp. PHIL 613 lores[1]

Die Afrikanische Trypanosomiasis ist eine durch Unterarten von Trypanosoma brucei verursachte Tropenerkrankung, die auch als Schlafkrankheit bezeichnet wird.


Symptome

Bei einer Infektion mit Trypanosoma brucei rhodesiense treten die Symptome innerhalb von 1-3 Wochen auf und umfassen hohes Fieber, Schanker an der Stelle der Penetration, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Thrombozytopenie, Muskelschmerzen und in seltenen Fällen Splenomegalie, Herzfunktionsstörungen und Nierenversagen [9].

Eine Infektion mit Trypanosoma brucei gambiense zeigt meist durch unspezifische Symptome wie Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellung, Juckreiz, Schwellungen im Gesicht, Muskelschmerzen, Unwohlsein, Kopfschmerzen und Fieber. Das ZNS wird nach Monaten bis Jahren nach der Infektion beteiligt und dies wird durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet.

Neurologischer Manifestationen der Infektion können affektive Störungen, Verhaltensänderungen und fokale Defizite sein. Der Verlauf der Infektion mit Trypanosoma brucei gambiense ist milder, doch beide Formen können ohne Behandlung tödĺich enden.

Diagnostik

Obwohl allgemeine Laboruntersuchungen bei der Diagnose von afrikanischer Trypanosomiasis hilfreich sein können, ist für eine definitive Diagnose der Nachweis von Trypanosomen in Blut, Lymphknoten oder Liquor nötig.

In Regionen, in denen diagnostische Untersuchungen nicht leicht verfügbar sind, ist die symptomatische Verbesserung nach empirischer Behandlung die übliche Bestätigung der Infektion. Buffy-Coat-Zubereitungen konzentrieren den Parasiten [9].

Therapie

Die präklinische Versorgung der afrikanischen Trypanosomiasis konzentriert sich auf die Behandlung der akuten Symptome wie Fieber und Unwohlsein in Verbindung mit einer engmaschigen Überwachung des neurologischen Status des Patienten. Bei neurologischen Manifestationen sind Atemwegsmanagement, Blutausstrich, Blutbild und Lumbalpunktion essentiell [10].

Prognose

Patienten mit leichtem Verlauf genesen vollständig. Schwerere Verläufe mit ZNS-Manifestationen sind fatal, wenn sie unbehandelt bleiben. Mit Behandlung ist auch hier die Heilungsrate mehr als 95% [8].

Ätiologie

Bei Menschen gibt es zwei Unterarten des Erregers, die für die Krankheit verantwortlich sind. In West-und Zentralafrika wird die Krankheit durch Trypanosoma brucei gambiense verursacht [5].

Trypanosoma brucei rhodesiense hat eine begrenzte geografische Reichweite und es ist für die Entstehung der Krankheit in Ostafrika und im südlichen Afrika verantwortlich. Trypanosoma brucei brucei verursacht die Erkrankung bei Tieren.

Epidemiologie

In die Vereinigten Staaten werden gelegentlich Fälle von afrikanischer Trypanosomiasis bei Reisenden festgestellt. Durchschnittlich etwa 1 Fall pro Jahr. Die meisten Infektionen entstehen durch T. brucei rhodesiense und werden in Nationalparks in Ostafrika erworben.

International beschränkt sich diese Krankheit auf das tropische Afrika und ist von Südafrikas Norden von bis südlich von Algerien, Libyen und Ägypten verbreitet.

Außerhalb dieses Bereichs variiert die Prävalenz der afrikanischen Trypanosomiasis je nach Land und Region [4]. Größere Ausbrüche traten in Angola, der Demokratischen Republik Kongo und im Sudan im Jahr 2005 auf. Afrikanische Trypanosomiasis bleibt eine problematische Erkrankung in der Zentralafrikanischen Republik, Tschad, Kongo, Elfenbeinküste, Tansania, Uganda, Malawi und Guinea.

In Simbabwe, Sambia, Ruanda, Nigeria, Mosambik, Kenia, Gabun, Äquatorial-Guinea, Kamerun und Burkina Faso werden weniger als 50 Fälle jedes Jahr gemeldet. Die Übertragung von T. brucei scheint in Togo, Swasiland, Sierra Leone, Senegal, Niger, Namibia, Mali, Liberia, Guinea Bissau, Ghana, Gambia, Äthiopien, Burundi, Botswana und Benin geendet zu haben, da kein neuer Fall seit Jahrzehnten gemeldet wurde.

Die afrikanische Trypanosomiasis ist eine Bedrohung für Millionen von Menschen in 36 Ländern in Afrika südlich der Sahara. Die Situation ist wegen des Fehlens von Diagnose- und Therapieoptionen in diesen Orten gegenwärtig als schwierig zu beurteilen.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Trypanosomen sind Parasiten, die in zwei Wirten, Säugetieren und Arthropoden (Tsetsefliegen), leben. Der Zyklus beginnt, wenn die Trypanosomen im Verlauf einer Blutmahlzeit entweder aus einem Tierreservoir (Ostafrikanische Trypanosomiasis) oder einem humanen Reservoir (Westafrikanische Trypanosomiasis) eingenommen werden. Die Parasiten vermehren sich über einen Zeitraum von 2-3 Wochen im Darm der Tsetsefliege, von wo aus sie sich zu deren Speicheldrüsen bewegen [6].

Die Menschen werden mit T. brucei durch den Biss infiziert. Gelegentlich bewirkt dies einen Hautdefekt an der Stelle der Penetration. Die injizierten Parasiten reifen weiter, verteilen sich im Blut- und Lymphsystem und verursachen Unwohlsein, intermittierendes Fieber, Hautausschlag und Schwäche. Im Verlauf breiten sich die Parasiten in das Zentralnervensystem (ZNS) aus, wodurch es zu Verhaltensauffälligkeiten und neurologischen Veränderungen wie Enzephalitis und Koma kommt. In extremen Fällen kann der Tod eintreten.

Die Parasiten entgehen den Abwehrmechanismen durch umfassende Antigenvariation ihrer Glykoproteine. Diese Umgehung der humoralen Immunantwort trägt zur Virulenz bei. Während der Parasitämie treten die meisten pathologischen Veränderungen im hämatologischen System und in Lymph-, Herz-und Zentralnervensystem auf. Dies kann das Ergebnis einer Autoimmunreaktionen gegen Antigene auf den Erythrozyten, Herz und Gehirn sein, was zu Hämolyse, Anämie, Pankarditis und Meningoenzephalitis führen kann [7].

Hautprobleme wie anhaltende Urtikaria, Puritus und Gesichtsödeme sind durch Überempfindlichkeitsreaktionen verursacht. Befallene Lymphknoten und erhöhte Lymphozytenspiegel in der Milz führen zu Fibrose, aber es kommt nur selten zu Splenomegalie. Wenn die Monozyten, Makrophagen und Plasmazellen in die Blutgefäße eintreten, kann erhöhte vaskuläre Permeabilität und Endarteritis auftreten.

Prävention

Impfstoff und Chemoprophylaxe sind für afrikanische Trypanosomiasis nicht verfügbar.

Die Vermeidung von Reisen in Gebiete, die stark mit Tsetsefliegen verseucht sind, wird empfohlen. Tsetsefliegen werden von sich bewegenden Fahrzeugen und dunklen Farben angezogen.

Insektenschutzmittel helfen kaum und sie können durch leichte Kleidung beißen. Lange Kleidung in neutralen Farben wird in Risikogebieten empfohlen.

Zusammenfassung

Die Afrikanische Trypanosomiasis ist eine ausschließlich in Afrika vorkommende Erkrankung [1]. Sie kommt in tropischen Gebieten vor und wird von der Tsetsefliege übertragen [2] [3].

Man unterscheidet zwei Erregertypen:

  • Trypanosoma brucei gambiense (Erreger der Westafrikanischen Schlafkrankheit)
  • Trypanosoma brucei rhodesiense (Erreger der Ostafrikanischen Schlafkrankheit)

Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom auslösenden Erreger.

Patientenhinweise

Die Afrikanische Trypanosomiasis, auch als Schlafkrankheit bekannt, ist eine ausschließlich in Afrika vorkommende Erkrankung. Sie kommt in tropischen Gebieten vor und wird von der Tsetsefliege übertragen.

Man unterscheidet zwei verschiedene Erregertypen:

  • Trypanosoma brucei gambiense (Erreger der Westafrikanischen Schlafkrankheit)
  • Trypanosoma brucei rhodesiense (Erreger der Ostafrikanischen Schlafkrankheit)

Der Krankheitsverlauf, die Beschwerden und die nötige Behandlung sind abhängig vom auslösenden Erreger.

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Quellen

  1. Truc P, Lando A, Penchenier L, Vatunga G, Josenando T. Human African trypanosomiasis in Angola: clinical observations, treatment, and use of PCR for stage determination of early stage of the disease. Trans R Soc Trop Med Hyg. Jan 2012;106(1):10-4.
  2. Simarro PP, Cecchi G, Franco JR, Paone M, Fèvre EM, Diarra A, et al. Risk for human african trypanosomiasis, central Africa, 2000-2009. Emerg Infect Dis. Dec 2011;17(12):2322-4.
  3. Kohagne TL, M'eyi MP, Kamkuimo RG, Kaba D, Louis JF, Mimpfoundi R. Transmission of human African trypanosomiasis in the Komo-Mondah focus, Gabon. Pan Afr Med J. 2011;8:36.
  4. Abramowicz M. Drugs For Parasitic Infections. In: Abramowicz M, ed. The Medical Letter on Drugs and Therapeutics. New Rochelle, NY: The Medical Letter, Inc; 2000:1-12.
  5. Bisser S, N'Siesi FX, Lejon V, Preux PM, Van Nieuwenhove S, Miaka Mia Bilenge C, et al. Equivalence trial of melarsoprol and nifurtimox monotherapy and combination therapy for the treatment of second-stage Trypanosoma brucei gambiense sleeping sickness. J Infect Dis. Feb 1 2007;195(3):322-9.
  6. Kennedy PG. Human African trypanosomiasis of the CNS: current issues and challenges. J Clin Invest 2004; 113:496.
  7. Barrett MP, Burchmore RJ, Stich A, et al. The trypanosomiases. Lancet 2003; 362:1469.
  8. Jamonneau V, Ilboudo H, Kaboré J, et al. Untreated human infections by Trypanosoma brucei gambiense are not 100% fatal. PLoS Negl Trop Dis 2012; 6:e1691.
  9. Urech K, Neumayr A, Blum J. Sleeping sickness in travelers - do they really sleep? PLoS Negl Trop Dis 2011; 5:e1358.
  10. Pépin J, Méda HA. The epidemiology and control of human African trypanosomiasis. Adv Parasitol 2001; 49:71.

Medien Referenzen

  1. Trypanosoma sp. PHIL 613 lores, Public Domain

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