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Agammaglobulinämie

Der Terminus Agammaglobulinämie (AGG) bzw. Hypogammaglobulinämie beschreibt verschiedene hereditäre Immundefekte, nämlich die autosomal rezessiv vererbte AGG, die X-chromosomale Hypogammaglobulinämie (Bruton-Syndrom) und die X-chromosomale Hypogammaglobulinämie mit Defizienz an Wachstumshormon. All diesen Erkrankungen gemein ist die pathologisch verminderte Konzentration von Immunglobulinen im Serum, die auf Defekten der B-Lymphozyten beruhen, die die Antikörper bilden.


Symptome

Leitsymptom der AGG sind eine Immundefizienz und eine damit einhergehende, erhöhte Infektanfälligkeit, die sich bereits innerhalb des ersten Lebensjahres manifestieren [1] [2]. Während die X-chromosomal vererbten Formen der AGG hauptsächlich Jungen betreffen, tritt die autosomal rezessiv vererbte AGG bei beiden Geschlechtern etwa gleich häufig auf.Wenn die Säuglinge ein Alter von etwa neun Monaten erreichen, sinkt der Spiegel maternaler Antikörper so weit ab, dass der hereditäre B-Zell-Defekt zu klinischen Symptomen führt. Ab diesem Zeitpunkt treten gehäuft Infektionen der Atemwege, des Gastrointestinaltrakts und der Haut auf. Auch rekurrente Mittelohrentzündungen können Probleme bereiten [1] [3] [4]. Komplikationen dieser Infekte können sich in Form einer Dissemination mit Beteiligung der Gelenke, des knöchernen Skeletts, des zentralen Nervensystems und der Hirnhäute einstellen, wenn es zu Verzögerungen in der Diagnosestellung und beim Einleiten einer adäquaten Therapie kommt. Auch über Fälle von Sepsis wurde im Zusammenhang mit der AGG berichtet.

Zwar prädisponiert die AGG grundsätzlich zu Infektionen mit bakteriellen, viralen und fungalen Pathogenen [3] [5], aber bei entsprechender Aufarbeitung der rekurrenten Erkrankungen stellt sich heraus, dass die meisten Infekte durch Bakterien mit Polysaccharidkapsel (z.B. Haemophilus influenzae, Pseudomonas aeruginosa oder Streptococcus pneumoniae), Mykoplasmen und Enteroviren ausgelöst werden [3] [6]. Gastrointestinale Symptome können auch durch Parasiten wie Giardia lamblia provoziert werden. In seltenen Fällen kommt es zu persistierenden Infektion durch Lebendvakzine, z.B. zur Dermatomyositis und Enzephalitis.

Bei der klinischen Untersuchung Betroffener fallen zuweilen sehr kleine Tonsillen auf. Die Lymphknoten können in ihrer Größe so weit reduziert sein, dass sie kaum mehr tastbar sind.

Diagnostik

Trotz rekurrenter Infektionen seit dem ersten Lebensjahr erfolgt die Diagnose einer AGG in vielen Fällen nicht, bevor das betroffene Kind zur Schule geht. Die entsprechenden statistischen Daten unterstreichen die Tatsache, dass auch bei scheinbar unkomplizierten Infektionen in der pädiatrischen Praxis immer eine vollständige Anamnese durchzuführen ist [1] [4] [5]. Nur so kann auffallen, wie häufig ein Kind tatsächlich erkrankt. Zur vollständigen Anamnese gehören auch Fragen zu einer familiären Vorbelastung bezüglich einer erhöhten Infektanfälligkeit. Viele AGG-Patienten haben Familienmitglieder, die ähnliche Symptome zeigen [4].

Bei Verdacht auf eine Immundefizienz sind zunächst Blutuntersuchungen durchzuführen, d.h. Differentialblutbild und Blutchemie. Diesen schließen sich weitere Analysen an, beispielsweise zur durchflusszytometrischen Auftrennung einzelner Zellpopulationen. Bei AGG häufig erhobene Befunde sind [1] [4] [6] [7]:

  • Neutropenie
  • Lymphopenie mit hochgradiger Reduktion der Anzahl der CD19+ B-Lymphozyten
  • Verminderte Serumkonzentrationen von Immunglobulinen verschiedener Klassen, besonders IgG, IgM und IgA

Die Diagnose kann bestätigt werden, wenn in molekularbiologischen Analysen der kausale Gendefekt identifiziert wird. Dabei ist zu beachten, dass die X-chromosomalen Formen der AGG durch Mutationen des Gens verursacht werden, das für die Bruton-Tyrosinkinase codiert, während die Ursachen der autosomal rezessiv vererbten AGG heterogener sind. Die Detektion der Sequenzanomalie ermöglicht dann die familiäre Aufarbeitung des Falles einschließlich einer gezielten Pränataldiagnostik.

Therapie

  • Therapie: Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation evtl.[med2click.de]
  • Die Therapie besteht in einer Substitution von Gammaglobulinen. Auch Gammaglobulin .[wissen.de]
  • […] dieser Infekte können sich in Form einer Dissemination mit Beteiligung der Gelenke, des knöchernen Skeletts, des zentralen Nervensystems und der Hirnhäute einstellen, wenn es zu Verzögerungen in der Diagnosestellung und beim Einleiten einer adäquaten Therapie[symptoma.com]
  • Die neuesten Entwicklungen der hämatopoetischen Stammzelltransplantation sind genauso berücksichtigt wie Aspekte der zellulären Therapie.[books.google.de]

Prognose

  • Prognose Die Prognose ist abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung, das heisst vom Zeitpunkt des Therapiebeginnes mit Immunglobulin-Substitution.[kispi.uzh.ch]

Epidemiologie

  • -rez. (10%) Mutation im Btk-Gen (Bruton tyrosine kinase) auf Chromosom 21 Pathophysiologie: Reifungsstopp von prä-B-Zellen zu reifen CD19 B-Zellen Mangel aller Immunglobulinklassen Definition zu: Bruton Agammaglobulinämie Epidemiologie zu: Bruton Agammaglobulinämie[med2click.de]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • -rez. (10%) Mutation im Btk-Gen (Bruton tyrosine kinase) auf Chromosom 21 Pathophysiologie: Reifungsstopp von prä-B-Zellen zu reifen CD19 B-Zellen Mangel aller Immunglobulinklassen Definition zu: Bruton Agammaglobulinämie Epidemiologie zu: Bruton Agammaglobulinämie[med2click.de]
  • Anatomie und Pathophysiologie Das Lymphsystem Anatomie und Pathophysiologie www.kardiotechnik.org 28.03.2009 Inhalt Aufbau des Lymphgefäßsystems... 3 Lymphe enthält... 4 Wandaufbau der Lymphgefäße... 4 dünne Gefäße... 4 Größere Lymphgefäße Mehr Immungenetik[docplayer.org]
  • Blum: Klinische Pathophysiologie , Thieme Verlag Weblinks A. Hubert, B. Grimbacher et al: " Humorale Immundefizienz I: Antikörpermangelsyndrome ohne bekannten genetischen Defekt ", Immundefektcentrum der Charité . M. E. Rose, D. M.[de.wikipedia.org]

Quellen

Artikel

  1. Machado P, Santos A, Faria E, Silva J, Malcata A, Chieira C. Arthritis and X-linked agammaglobulinemia. Acta Reumatol Port. 2008;33(4):464-467.
  2. Ozturk C, Sutcuoglu S, Atabay B, Berdeli A. X-Linked Agammaglobulinemia Presenting with Secondary Hemophagocytic Syndrome: A Case Report. Case Reports in Medicine. 2013;2013:742795.
  3. Chen X-F, Wang W-F, Zhang Y-D, Zhao W, Wu J, Chen T-X. Clinical characteristics and genetic profiles of 174 patients with X-linked agammaglobulinemia: Report from Shanghai, China (2000–2015). Medicine (Baltimore). 2016;95(32):e4544.
  4. Winkelstein JA, Marino MC, Lederman HM, et al. X-linked agammaglobulinemia: report on a United States registry of 201 patients. Medicine (Baltimore). 2006;85(4):193-202.
  5. Sigmon JR, Kasasbeh E, Krishnaswamy G. X-linked agammaglobulinemia diagnosed late in life: case report and review of the literature. Clinical and molecular allergy : CMA. 2008;6:5.
  6. Hernandez-Trujillo VP, Scalchunes C, Cunningham-Rundles C, et al. Autoimmunity and Inflammation in X-linked Agammaglobulinemia. J Clin Immunol. 2014;34(6):627-632.
  7. Porter RS, Kaplan JL. Merck Manual of Diagnosis and Therapy. 19th Edition. Merck Sharp & Dohme Corp. Whitehouse Station, N.J; 2011.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 14:44