Aicardi-Syndrom

Das Aicardi-Syndrom ist eine seltene, X-chromosomal dominante Erkrankung, die durch Agenesie des Corpus callosum, chorioretinale Lakunen und infantile Spasmen charakterisiert wird.

Aicardi-Syndrom betrifft den folgenden Prozess: kongenital.

Symptome

Die klinischen Manifestationen der Aicardi-Syndroms sind heterogen und variabel [6]. Zu der typischen Symptomtrias gehören Corpus callosum-Agenesie, chorioretinale Lakunen und infantile Spasmen. Infantile Krämpfe kommen bei der Mehrzahl der Patienten vor. Die meisten Mädchen entwickeln die ersten Anfälle im ersten Lebensjahr.

Chorioretinale Lakunen sind pathognomonisch für das Aicardi-Syndrom und sind weiße oder gelbe, scharf abgegrenzte Läsionen des retinalen Epithels. Andere mögliche Augenanomalien sind Mikrophthalmus, Katarakt, Kolobom, Anomalien der Iris, Dysplasie und Hypoplasie des Nervus opticus und Netzhautablösung.

Anomalien des Zentralnervensystems bei Aicardi-Syndrom sind vollständige oder partielle Agenesie des Corpus callosum, ependymalen Zysten, Plexuspapillome, periventrikuläre Heterotopien, Hydrocephalus, zerebelläre Agenesie und porenzephalische Zysten [7] [8].

Mögliche dysmorphische Gesichtsmerkmale sind Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Mikrozephalie und Anomalien der Nase. 

Alle Kinder mit Aicardi-Syndrom haben mittelschwere bis schwere Intelligenzminderung.

Die muskuloskelettalen Symptome sind Skoliose, kleine Hände, Rippen- und Wirbelanomalien und Hypertonien. Die Patienten können aufgrund der Kombination von neurologischen und muskuloskelettalen Anomalien nicht gehen. Dermatologische Manifestationen sind Gefäßmissbildungen und Pigmentstörungen.

Viele Tumore sind ebenfalls mit Aicardi-Syndrom assoziiert. Plexuspapillome sind die häufigsten, gefolgt von Angiosarkomen, Hepatoblastomen und embryonalen Karzinomen.

Diagnostik

Bei Patienten mit typischen Symptomen ist die Diagnose des Aicardi-Syndroms durch die klinischen Befunde ersichtlich und umfangreiche Untersuchungen sind nicht erforderlich.

Die Diagnose ist endgültig, wenn alle drei klassischen Merkmale vorhanden sind. Die Anwesenheit von zwei klassischen Merkmalen und zwei Haupt- oder Nebenkriterien deutet auf das Aicardi-Syndrom hin.

Klassische Merkmale

  • Agenesie des Corpus callosum
  • Chorioretinale Lakunen
  • Infantile Spasmen

Hauptkriterien

  • Kortikale Fehlbildungen 
  • Heterotopien 
  • Zysten in Bereich des dritten Ventrikels 
  • Kolobom

Nebenkriterien

  • Mikrophthalmie
  • Wirbel- und Rippenanomalien 
  • Asymmetrische Hirnhemisphären 
  • Gefäßfehlbildungen 
  • "Split Brain" EEG

Karyotypisierung wird bei den meisten Patienten durchgeführt. Zu den Differentialdiagnosen gehören oculocerebrocutaneous Syndrom und neuronale Migrationsstörungen.

Die Magnetresonanztomographie wird gegenüber der Computertomographie aufgrund der besseren Sichtbarkeit der Fehlbildungen, besonders Agenesie des Corpus callosum, vergrößerte Ventrikel, periventrikuläre Heterotopien, Plexuspapillome und porenzephalische Zysten, bevorzugt. Die Computertomographie kann Verkalkung zu zeigen. Die Bildgebung hilft, die möglichen Ursachen von schwer therapierbaren Anfällen bei betroffenen Patienten zu identifizieren.

Muskuloskelettale Anomalien können durch Röntgenaufnahmen identifiziert werden.

Die Elektroenzephalografie zeigt häufig Burst-Suppression-Muster und multifokale Spike-Wave-Entladungen.

Chorioretinale Lakunen und anderen Augenanomalien können durch einen erfahrenen Ophthalmologen festgestellt werden [9].

Therapie

Für die Behandlung der Anfälle sind Antikonvulsiva erforderlich. Infantile Spasmen sprechen in der Regel nicht auf Therapie mit herkömmlichen Antikonvulsiva an und eine Behandlung mit ACTH (Corticotropin) und Vigabatrin ist notwendig [10].

Eine ketogene Diät kann versucht werden. Neurochirurgische Eingriffe können in Fällen von schwer behandelbarer Epilepsie notwendig sein.

Prognose

Die Prognose der Patienten mit Aicardi-Syndrom ist variabel. Intelligenzminderung und schwer behandelbare Epilepsie sind häufig.

Physio-, Ergo- und Sprachtherapie und Bewegungstherapie für die Behandlung der Skoliose können angewandt werden.

Der Tod tritt häufig im ersten oder zweiten Lebensjahrzehnt ein. Patienten erliegen oft pulmonalen Komplikationen.

Ätiologie

Das Aicardi-Syndrom ist eine X-chromosomal dominante Erkrankung. Es wird durch eine sporadische X-chromosomale Mutation bei Frauen verursacht. Bei männlichem Geschlecht ist es in der frühen embryonalen Periode tödlich.

Das für diese Erkrankung verantwortliche Gen ist noch nicht identifiziert worden. Über zwei männliche Patienten mit XXY-Genotyp mit diesem Syndrom wurde berichtet [4] [5].

Epidemiologie

Das Aicardi-Syndrom tritt weltweit auf. Die genaue Prävalenz ist nicht bekannt. Mindestens 800 Fälle wurden in den USA beschrieben. Die Krankheit zeigt sich im Neugeborenen- und Säuglingsalter.

Es wird berichtet, dass das Aicardi-Syndrom eine häufigere Ursache für Intelligenzminderung und Epilepsie bei jungen Mädchen ist, als früher angenommen [3].

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Der genaue Mechanismus für die verschiedenen Manifestationen dieses Syndroms ist unbekannt. Es entsteht wahrscheinlich in der 4. bis 8. Schwangerschaftswoche durch einen Defekt der Ausdehnung des Neuralrohrs.

Die Exposition gegenüber verschiedenen Giften und Infektionen in utero werden auch mit der Pathogenese der Erkrankung in Zusammenhang gebracht.

Prävention

Es gibt keine Richtlinine für die Prävention des Aicardi-Syndroms.

Zusammenfassung

Das Aicardi-Syndrom ist eine seltene kongenitale Entwicklungsstörung. Die Ätiologie ist derzeit unbekannt. Das Syndrom wurde von dem französichen Neurologen Dr. Jean Aicardi Dennis im Jahr 1965 beschrieben [1].

In Europa und Nordamerika sind nur wenige Patienten bekannt, wahrscheinlich werden aber nicht alle Fälle diagnostiziert und beschrieben.

Die Erkrankung zeichnet sich durch eine typische Symptomentrias aus [2]:

  • Agenesie des Corpus callosum
  • Chorioretinale Lakunen
  • Infantile Spasmen

Die Prognose und Überlebensdauer sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.

Patientenhinweise

Das Aicardi-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die von der Geburt entsteht. Es wird durch eine genetische Veränderung verursacht und betrifft nur Mädchen. Hunderte Fälle dieser Krankheit traten weltweit auf.

Typische Symptome sind:

  • Krampfanfälle
  • Fehlbildungen des Gehirns
  • Fehlbildungen der Augen
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Fehlbildungen der Knochen und Muskeln, Augen und Gesicht

Symptome der Krankheit werden in der Regel im ersten Lebensjahr bemerkt.

Verschiedene Untersuchungen, besonders bildgebende Verfahren, sind für die Diagnose nötig. Es gibt keine ursächliche Behandlung dieser Erkrankung.

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Quellen

  1. Aicardi J, Lefebvre J, Lerique-Koechlin A. A new syndrome: spasm in flexion, callosal agenesis, ocular abnormalities. Electroencephalogr Clin Neurophysiol. 1965; 19:609-10.
  2. Steffensen TS, Gilbert-Barness E, Lacson A, Margo CE. Cerebellar migration defects in aicardi syndrome: an extension of the neuropathological spectrum. Fetal Pediatr Pathol. 2009;28(1):24-38.
  3. Kroner BL, Preiss LR, Ardini MA, Gaillard WD. New incidence, prevalence, and survival of Aicardi syndrome from 408 cases. J Child Neurol. May 2008;23(5):531-5.
  4. Zubairi MS, Carter RF, Ronen GM. A male phenotype with Aicardi syndrome. J Child Neurol. Feb 2009;24(2):204-7.
  5. Prontera P, Bartocci A, Ottaviani V, Isidori I, Rogaia D, Ardisia C, et al. Aicardi syndrome associated with autosomal genomic imbalance: coincidence or evidence for autosomal inheritance with sex-limited expression?. Mol Syndromol. Apr 2013;4(4):197-202.
  6. Aicardi J. Aicardi syndrome. Brain Dev 2005. Apr;27(3):164-171.
  7. Chevrie JJ, Aicardi J. The Aicardi syndrome. In: Pedley TA and Meldrum BS, eds. Recent Advances in Epilepsy. Edinburgh: Churchill Livingstone, 1986. p.3.
  8. Barkovich AJ, Norman D. Anomalies of the corpus callosum: correlation with further anomalies of the brain. AJR Am J Roentgenol 1988. Jul;151(1):171-179.
  9. Shah PK, Narendran V, Kalpana N. Aicardi syndrome: the importance of an ophthalmologist in its diagnosis. Indian J Ophthalmol. May-Jun 2009;57(3):234-6.
  10. Chau V, Karvelas G, Jacob P, Carmant L. Early treatment of Aicardi syndrome with vigabatrin can improve outcome.Neurology. 2004;63:1756–7.

  • Autonomic dysfunction in Parkinson's disease - CG Goetz, W Lutge, CM Tanner - Neurology, 1986 - AAN Enterprises
  • Aicardi's syndrome: a report of four cases and review of the literature. - GT Denslow, RM Robb - Journal of pediatric ophthalmology and , 1979 - ncbi.nlm.nih.gov
  • Aicardi syndrome: spectrum of disease and long-term prognosis in 77 females - TL Rosser, MT Acosta, RJ Packer - Pediatric neurology, 2002 - cat.inist.fr
  • Agenesis and dysgenesis of the corpus callosum - G Dávila-Gutiérrez - Seminars in pediatric neurology, 2002 - Elsevier
  • Benefits and Risks of Antipyretic Therapya - PA Mackowiak, KI Plaisacne - of the New York Academy of , 1998 - Wiley Online Library

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