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Alkoholbedingte Demenz

Der langfristige, übermäßige Konsum von Alkohol kann zur Schädigung neuronalen Gewebes führen. Eine mögliche Folge dessen ist die alkoholbedingte Demenz (AD). Betroffene zeigen zudem häufig eine veränderte Persönlichkeit, kognitive Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit ihren Mitmenschen.


Symptome

Die alkoholbedingte Schädigung des Gehirns geht mit Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens, mit kognitiven Beeinträchtigungen sowie mit einer Demenz im engeren Sinne einher:

  • Die Betroffenen sind leicht reizbar, oft eifersüchtig, neidisch, frustriert und schnell verärgert. Da die Hemmschwelle insgesamt herabgesetzt wird, werden die genannten Emotionen offen zum Ausdruck gebracht und unangemessene Verhaltensweisen gezeigt [1]. Familienmitglieder und Freunde beschreiben den AD-Patienten nicht selten als emotional labil, geben an, er leide an Stimmungsschwankungen und hätte sein Einfühlungsvermögen verloren. Gleichzeitig haben die Patienten jedoch Angst, allein zu sein.
  • Die kognitive Beeinträchtigung zeigt sich in der Unfähigkeit, den Alltag allein zu meistern [2]. Der Patient tut sich schwer, Entscheidungen zu treffen, Ereignisse einander zuzuordnen und Probleme zu lösen. Weiterhin können Betroffene an Wortfindungsstörungen leiden, können Konversationen nur mit Mühe folgen und erkennen bekannte Gesichter zuweilen nicht. Ihre räumliche und zeitliche Orientierung ist regelmäßig eingeschränkt.
  • Die Demenz manifestiert sich als anterograde oder retrograde Amnesie [3]. Der Terminus anterograde Amnesie bezieht sich auf das Unvermögen des Patienten, neue Erinnerungen zu erschaffen, d.h. zu lernen. Im Gegensatz dazu bedeutet eine retrograde Amnesie, dass er sich nicht mehr an bereits Erfahrenes erinnern kann. Diese Kondition verstärkt die Disorientierung und die Probleme beim Erkennen seiner Mitmenschen. Der Patient ist verwirrt, frustriert und zeigt dann umso stärker die oben genannten Verhaltensauffälligkeiten.
Aggression
  • Die Betreuung Demenzkranker in den eigenen vier Wänden kann allerdings schwierig werden: Er vergisst nämlich nicht einfach nur, in den meisten Fällen verändert sich auch die Persönlichkeit – mit Wutausbrüchen, Niedergeschlagenheit und Aggressionen.[bild.de]
  • Auch anhaltende Unruhe, Müdigkeit, plötzliche Aggressionen oder sogar Halluzinationen können Hinweise auf eine Demenz geben. pflege.de-Tipp Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen oder eine allgemeine Unlust können viele[pflege.de]
Konfabulation
  • Vielen Patienten ist dies jedoch nicht bewusst, so dass es sich bei den Konfabulationen nicht um bewusstes Täuschen oder gar Lügen handelt.[deutsche-alzheimer.de]
  • Ein häufiger Begriff für die alkoholbedingte Demenz ist das Korsakow-Syndrom , welches die Trias Gedächtnisstörung, Desorientiertheit, Konfabulationen hat.[heilpraktiker-psychotherapie-hessen.de]
  • Kennzeichen des Korsakow-Syndrom Beim Korsakow-Syndrom gibt es folgende 3 obligatorischen Symptome : Gedächtnisstörungen in Form von Merkfähigkeitsstörungen und Störungen des Altgedächtnisses Desorientierung (amnestisches Syndrom) Konfabulationen Zu den[web4health.info]
  • Vergessenes wird durch Fantasien ersetzt Erinnerungslücken füllen einige Patienten gern mit sogenannten Konfabulationen. Das sind Geschichten, die sie frei erfinden, weil ihnen ihre Vergesslichkeit peinlich ist.[curendo.de]
  • Polyneuritische alkoholische Psychose Psychotische Störung nach Gebrauch von Alkohol F10.6 Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Amnestisches Syndrom Alkoholbedingte Korsakow-Krankheit Alkoholisches Korsakow-Syndrom Alkoholpsychose mit amnestischer Konfabulation[icdscout.de]
Amnesie
  • Die Demenz manifestiert sich als anterograde oder retrograde Amnesie. Der Terminus anterograde Amnesie bezieht sich auf das Unvermögen des Patienten, neue Erinnerungen zu erschaffen, d.h. zu lernen.[symptoma.com]
  • Häufig ist die Amnesie nach Schlaganfäl-len gegeben. Chronischer Alkoholkonsum kann Vit. B1-Mangel (Thiamin) auslösen und die Amnesie bewirken.[heilpraktiker-psychotherapie-hessen.de]
  • Symptome Im Vordergrund des nach Korsakow benannten Syndroms stehen Amnesien . Dabei kommen sowohl das Vergessen alter Gedächtnisinhalte ( retrograde Amnesie ) als auch die Unfähigkeit vor, sich neu Erlebtes zu merken ( anterograde Amnesie ).[de.wikipedia.org]
  • Die Betroffenen haben die Fähigkeit verloren, neue Informationen zu speichern (sogenannte anterograde Amnesie) und entwickeln gleichzeitig die Tendenz, die entstehenden Gedächtnislücken und Orientierungsstörungen mit bisweilen frei erfundenen Geschichten[deutsche-alzheimer.de]
  • Erinnerungslücken ( Amnesie ) nach hohen Dosen von Alkohol können auftreten, allgemein auch als Filmriss bezeichnet.[dr-gumpert.de]
Wortfindungsstörung
  • Mehr Seite 21 - Wortfindungsstörungen b) Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen trotz intakter Motorik c) Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände wiederzuerkennen trotz intakter sensorischer Funktionen d) Störungen der Ausführungsfunktionen[books.google.de]
  • Weiterhin können Betroffene an Wortfindungsstörungen leiden, können Konversationen nur mit Mühe folgen und erkennen bekannte Gesichter zuweilen nicht. Ihre räumliche und zeitliche Orientierung ist regelmäßig eingeschränkt.[symptoma.com]
  • Diagnosemöglichkeiten bei Verdacht auf Alzheimer-Demenz Bei anhaltenden Gedächtnis- oder Wortfindungsstörungen sowie auffallenden Verhaltensstörungen im Alter sollte unbedingt eine Abklärung der Ursache beim Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder[neurologen-und-psychiater-im-netz.org]
  • Anfangs kann der Betroffene Stö­rungen der Merkfähigkeit, der Konzentration sowie Wortfindungsstörungen noch überspielen. Seine Persönlichkeit bleibt lange intakt, sodass die Umgebung den Rückgang der kognitiven Fähig­keiten zunächst übersieht.[seele-und-gesundheit.de]
Apathie
  • Auch Persönlichkeitsänderungen, häufig mit Apathie und Initiativeverlust und einer Tendenz zur Selbstvernachlässigung können vorhanden sein. Sie gelten jedoch nicht als notwendige Bedingungen für die Diagnose.[nervenarzt-heidelberg.de]
  • Logorrhoe , Aggressivität ), Apathie und apraktischen Störungen kommen. Zur Tabak-Alkohol- Amblyopie kann es bei Alkoholabusus und Mangelernährungen in Kombination mit Tabakkonsum kommen.[de.wikipedia.org]
Hepatomegalie
  • Kommen Entzündungen hinzu – Alkoholhepatitis –, folgen Schwellungen, eine Hepatomegalie sowie ein Umbau der Leberstruktur in Form von einer extremen Vermehrung des Bindegewebes (Leberzirrhose).[gesundheits-lexikon.com]

Diagnostik

Die Diagnose der AD basiert auf der medizinischen Vorgeschichte und den Ergebnissen der klinischen Untersuchung. Für gewöhnlich kann hier ein Zusammenhang zwischen einem langfristigen Alkoholmissbrauch und physischen und mentalen Konsequenzen der Sucht hergestellt werden. Dieser Zusammenhang ist essenziell für die Diagnosestellung, da die klinischen Symptome der AD nur wenig spezifisch sind und auch bei anderen Formen der Demenz auftreten können [4]. Es ist außerdem wichtig, die Symptome weiterer alkoholbedingter, organischer Leiden und eventuell die Komplikationen eines Alkoholentzugs nicht mit denen der neurologischen Problematik zu verwechseln [2] [3]. Deshalb wird generell empfohlen, eine AD nicht früher als 60 Tage nach absoluter Abstinenz zu stellen, wenn die Entzugssymptome bereits abgeklungen sind.

Der Mini-Mental-Status-Test ist ein wenig aufwendiger Test zur Einschätzung des geistigen Zustandes des Patienten. Die Resultate, die mit Hilfe dieses Tests erhoben werden können, unterstützen den Verdacht auf eine Demenz. Zur Bestätigung der Diagnose AD sollten entsprechend dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Kognitive Beeinträchtigung einschließlich anterograder oder retrograder Amnesie sowie Aphasie, Apraxie, Agnosie oder Probleme beim abstrakten Denken und Planen. Im Rahmen einer AD treten immer kognitive Beeinträchtigungen und Gedächtnisstörungen auf.
  • Die kognitiven und Gedächtnisprobleme beeinträchtigen das soziale und/oder berufliche Leben des Patienten. Es ist wichtig, die kognitiven Fähigkeiten zu denen ins Verhältnis zu setzen, die die Person früher gezeigt hat; es muss ein Verlust kognitiver Funktionen erkennbar sein.
  • Die festgestellten Symptome sind von Dauer und klingen auch nach der Phase des Alkoholentzugs nicht ab.
  • Die medizinische Vorgeschichte, Resultate der klinischen Untersuchung und Ergebnisse von Laboranalysen befürworten einen Zusammenhang zwischen der Symptomatik und dem Alkoholmissbrauch.

Es wurde wiederholt vorgeschlagen, diese diagnostischen Kriterien zu ergänzen. So wird empfohlen, eine AD erst nach mindestens fünfjährigem Alkoholmissbrauch zu diagnostizieren und nur dann, wenn erste Symptome der Demenz innerhalb von drei Jahren der Abstinenz auftreten. Eine derart lange Periode des übermäßigen Alkoholkonsums führt zu weiteren organischen Schäden, sodass der AD-Patient im Normalfall auch über hepatische, kardiovaskuläre, gastrointestinale oder andere alkoholbedingte Beschwerden klagt.

Bis heute liegt keine universell akzeptierte Definition der AD vor. Insbesondere die Abgrenzung vom Wernicke-Korsakow-Syndrom bereitet immer wieder Probleme [5].

Therapie

  • Zur Alkoholismus-Therapie gehören stationäre Entgiftung, psychotherapeutische Entwöhnungsbehandlung und die – günstigstenfalls lebenslange – aktive Selbsthilfe von Alkoholikern.[rehakliniken.de]
  • Der Thiaminmangel kann durch eine Bestimmung des Thiaminspiegels im Blut nachgewiesen werden. 6 Therapie Die Basis der Therapie ist absolute Alkoholabstinenz . Der Thiaminmangel wird durch parenterale Gabe von Thiamin in hohen Dosen behoben.[flexikon.doccheck.com]
  • Bei der medikamentösen Therapie bei Diabetes und Fettleber kommt vorzugsweise das Medikament Metformin zum Einsatz.[diabetesinformationsdienst-muenchen.de]
  • Therapie der Alkoholkrankheit Die Behandlung von Alkoholismus besteht aus einer Kombination verschiedener Instrumente, die je nach Schwere eingesetzt werden. Phase der Entziehung Es ist empfehlenswert, die Therapie mit einer Entziehung zu beginnen.[lifeline.de]
  • Die Störungen sind auch bei fachgerechter Therapie meist nicht vollständig umkehrbar. Lesen Sie hier mehr über die das Korsakow-Syndrom – Symptome, Diagnose und Therapie.[netdoktor.de]

Prognose

  • Die Prognose von Alkoholsucht ist in hohem Maße abhängig von sozialen und psychologischen Faktoren. Vor allem ein stabiles soziales Umfeld und die Trennung vom alten "Trinkumfeld" sind wichtige Faktoren für eine gute Prognose.[lifeline.de]
  • Wichtig für die Prognose ist, ob zugrundeliegende Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit oder Essstörungen dauerhaft überwunden werden können.[netdoktor.de]
  • Forscher untersuchen Proteine ​​in der Rückenmarksflüssigkeit zu sehen, ob bestimmte Muster können den Ausblick (Prognose) für diese Krankheit vorherzusagen.[neselo.napsat.eu]
  • Die Übergänge zum Korsakow – Syndrom sind fließend, die Prognose ist schlecht. Wenn der Patient überlebt, bleibt meist ein Korsakow – Syndrom zurück.[suchtkrankenhilfe-schwaigern.de]
  • Prognose Ohne Therapie ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Alkoholikers um 12 Jahre vermindert. Häufigste Todesursache sind Selbstmord (15 Prozent aller Alkoholiker), Unfälle, Herzerkrankungen und Krebserkrankungen.[coaching-eft-hypnose-muenchen.com]

Epidemiologie

  • Epidemiologie/Häufigkeit Angaben über die Häufigkeit des amnestischen Syndroms sind uneinheitlich; eine Korrelation zu alkoholisch bedingten Störungen kann angenommen werden.[heilpraktiker-psychotherapie-hessen.de]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • Cholinerges Defizit Pathophysiologie ist die Lehre von den krankhaften Stoffwechselvorgängen. Eine wichtige pathophysiologische Ursache demenzieller Symptome scheint ein cholinerges Defizit zu sein.[seele-und-gesundheit.de]

Zusammenfassung

  1. Bonnet U, Taazimi B, Borda T, Grabbe HD. Improvement of a woman's alcohol-related dementia via off-label memantine treatment: a 16-month clinical observation. Ann Pharmacother. 2014; 48(10):1371-1375.
  2. Marksteiner J, Bodner T, Gurka P. [Alcohol-induced cognitive disorder: alcohol dementia]. Wien Med Wochenschr. 2002; 152(3-4):98-101.
  3. Vetreno RP, Hall JM, Savage LM. Alcohol-related amnesia and dementia: animal models have revealed the contributions of different etiological factors on neuropathology, neurochemical dysfunction and cognitive impairment. Neurobiol Learn Mem. 2011; 96(4):596-608.
  4. Berlit P, Hennerici M, Vetter P. [The differential diagnosis of Alzheimer's dementia from the neurological viewpoint]. Dtsch Med Wochenschr. 1990; 115(45):1724-1728.
  5. Ridley NJ, Draper B, Withall A. Alcohol-related dementia: an update of the evidence. Alzheimers Res Ther. 2013; 5(1):3.

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