Anämie bei chronischer Krankheit (Anämie chronischer Erkrankung)

Anämie bei chronischer Krankheit ist leichte oder mittelschwere Form von Anämie, die gewöhnlich bei chronisch entzündlichen Erkrankungen, Infektionen und Malignomen auftritt. Die Menge des zirkulierenden Eisens im Serum ist gering, aber die Körperspeicher sind mehr oder weniger normal.


Symptome

Klinische Manifestationen der Anämie bei chronischer Krankheit hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Viele Patienten bleiben asymptomatisch. Wenn vorhanden, sind einige der häufigsten Symptome der Anämie Blässe, Müdigkeit, Lethargie, Reizbarkeit und Verlust der Ausdauer. Gesteigerte Müdigkeit, Tachykardie und Atemnot sind auch zu sehen. Einige weniger häufigen Symptome von Anämie bei chronischer Krankheit sind eine verminderte Toleranz bei körperlicher Belastung, Herzklopfen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Muskelschmerzen und Benommenheit. Verminderte kognitive Fähigkeiten, Blässe der Bindehaut, orthostatische Hypotonie und Aszites können als körperliche Befunde festgestellt werden.

Diagnostik

Vor der Diagnosestellung sollten andere Krankheiten, die mit normochromen und normozytären Anämie einhergehen, ausgeschlossen werden. Der Patient sollte hinsichtlich Lebererkrankungen und endokrinen Krankheiten untersucht werden. Differentialdiagnosen sind aplastische Anämie, myeloischer Metaplasie, Leberzirrhose, Hyperthyreose, Hypoadrenalismus, Hypothyreose und primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus.

Laboruntersuchungen sind in der Diagnosestellung wichtig. Bei der Blutuntersuchung findet man erniedrigtes Hämoglobin, erniedrigten Hämatokrit, verminderte Erythrozyten und Retikulozyten, das Ferritin ist im Gegensatz zur Eisenmangelanämie erhöht [9]. Die Erythrozyten sind normozytär und normochrom. In einigen Fällen sind sie jedoch hypochrom und mikrozytär. Dies ist insbesondere im Falle von Morbus Crohn und rheumatoider Arthritis zu beobachten. Zusätzlich finden sich als Zeichen von Entzündung eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP).

Therapie

Die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung ist die anfängliche Therapie, um die Symptome zu verbessern. Weitere Faktoren wie begleitenden Blutverlust, Mangel an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure müssen ebenfalls behoben werden. In den meisten Fällen ist der Anämiegrad mild und keine spezifische Behandlung ist nötig. Im Falle von Eisenmangel, sollten Schritte unternommen werden, um das Element zu supplementieren.

In einigen seltenen Fällen kann Anämie bei chronischer Krankheit schwerwiegend sein und die zugrunde liegenden Herz-und Lungenerkrankungen verschärfen. In Fällen von kardialer Ischämie, hilft eine Erythrozytentransfusion die Symptome von Ischämie und Hypoxie zu verbessern. Erythropoietin mit oder ohne Eisen wird in manchen Fällen empfohlen.

In chronischen Fällen von Anämie bei chronischer Krankheit, kann die Erythropoese stimuliert werden [10]. Erythropoese-stimulierende Mittel werden im Falle von rheumatoider Arthritis, Herzversagen und malignen Erkrankungen [11] gegeben. Patienten mit chronischem Nierenversagen, Malignompatienten unter Chemotherapie, und Personen mit HIV-Infektionen sollten behandelt werden, um die Hb-Spiegel auf mehr als 12 g/dl zu verbessern. In akuten Fällen von Anämie bei chronischer Krankheit mit einer schweren Form der Anämie mit Hb-Wert weniger als 8,0 g/dl, ist eine Bluttransfusion die empfohlene Modalität.

Prognose

Die Prognose von Anämie bei chronischer Krankheit hängt oft von der zugrunde liegenden Ursache der Krankheit ab. Die Schwere der Symptome und das plötzliche Auftreten der Erkrankung können auch ein wichtiger Faktor für das Langzeitergebnis sein. Einige der andere Faktoren sind das Alter des Patienten und das Vorhandensein von Begleiterkrankungen.

Ätiologie

Die Ätiologie ist multifaktoriell und diese Form der Anämie wird durch geringe Mengen an Eisen im Serum gekennzeichnet. Die Eisenspeicher sind normal oder leicht erhöht. Anämie bei chronischer Krankheit ist eine normozytäre, normochrome Anämie und fällt unter die Kategorie der Anämie aufgrund verringerter Produktion von Erythrozyten. Reduzierte Reaktion auf Erythropoietin und Reduktion von Eisen im Serum bei vermehrter Speicherung scheint für diese Anämie verantwortlich zu sein. Eine Verkürzung der Halbwertszeit von Erythrozyten könnte ein weiterer ätiologischer Faktor für die Entwicklung dieser Erkrankung sein. Krankheiten wie rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen und Traumata sind mit einer verminderten Eisenverfügbarkeit, erniedrigtem Erythropoetin und verminderter Lebensdauer der roten Blutkörperchen verbunden und können so möglicherweise zu Anämie bei chronischer Krankheit führen [4].

Eine der neueren Studien berichtet, dass Hepcidin, ein antimikrobielles Peptid das von der Leber ausgeschieden wird, einer der wichtigsten Faktoren bei der Regulierung der Serumeisenspiegel ist. Dieses endogenen Peptid ist an der Kontrolle der Eisenaufnahme im Darm, Freisetzung von Eisen aus Makrophagen und Transfer von Eisen aus den Speichern beteiligt. Entzündliche Erkrankungen erhöhen Hepcidin [5]. Einige weiterer Ursachen sind Interleukin-6 (IL-6), Interleukin-1 (IL-1) und Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) [6]. Diese Zytokine sind dafür bekannt, Vorläufer der roten Blutkörperchen zu zerstören und Erythropoietin-Rezeptoren zu verringern [7]. IL-6 induziert auch die Produktion von Hepcidin.

Epidemiologie

Männer haben eine 30% erhöhtes Risiko der Entwicklung von Anämie bei chronischer Krankheit im Vergleich zu Frauen. Die Prävalenz der Erkrankung liegt im Bereich von 8% bis 44% bei älteren Patienten. Die Prävalenz von Anämie bei chronischer Krankheit ist größer bei Personen über der Altersgruppe von 85 Jahren. Etwa ein Drittel der Patienten mit Anämie hat diese Form der Anämie. Unter der allgemeinen Bevölkerung wird sie bei 11% der Männer gefunden, während 10,2% der Frauen von dieser Erkrankung, besonders in der Altersgruppe von 66 bis 85 Jahren, betroffen sind. Etwa 52% der Patienten mit Anämie, ohne Eisenmangel, erfüllte die Kriterien der Anämie bei chronischer Krankheit.

Die häufigsten Risikofaktoren für die Entwicklung von Anämie bei chronischer Krankheit sind chronisch entzündliche Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Neoplasien, chronischen Nierenerkrankungen, akute oder chronische Infektionen und chronische Abstoßung nach Organtransplantation. Alkoholische Leberkrankheit, Herzinsuffizienz, Thrombosen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus und verschiedene andere Erkrankungen können auch Anämie bei chronischer Krankheit verursachen.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Veränderung in der Homöostase des Eisens, Proliferation von Erythropoietin-Vorläufern und Verringerung der Lebensdauer der roten Blutkörperchen spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Anämie bei chronischer Krankheit. Wenn die Infektion oder Entzündung einsetzt, fällt die Konzentration von Eisen im Serum als Verteidigungsmechanismus, um die Vermehrung von Mikroben zu verhindern. Diese Reduktion wird durch die Wirkung von Interleukinen durch Herstellung von Hepcidin ermöglicht. Durch die von Hepcidin bewirkte Hemmung der enteralen Eisenaufnahme entwickelt sich eine Eisenverteilungsstörung.

Prävention

Bei Patienten mit chronischen Krankheiten und Malignomen sollte der Hb-Spiegel überwacht werden, um sicherzustellen, dass keine Anämie entsteht.

Zusammenfassung

Anämie bei chronischer Krankheit ist eine hypoproliferative Anämie, die mit einer chronischen oder akuten Immunaktivierung [1] verbunden ist. Nach der Eisenmangelanämie, ist dies die zweithäufigste Form von Anämie. Vor einiger Zeit wurde diese Form der Anämie nur mit Entzündungen, Infektionen und malignen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Studien zeigen jedoch, dass diese Anämie bei vielen Krankheitsbildern, bei denen Zytokine eine entzündliche Reaktion oder Immunantwort verursachen, vorhanden ist [2]. Anämie bei chronischer Krankheit manifestiert sich als eine leichte oder mittelschwere Anämie und wird durch leicht erhöhtes Erythropoietin und reduzierte Menge an Retikulozyten gekennzeichnet. Die Anzahl der Leukozyten und Thrombozyten ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung. Das charakteristischste Merkmal ist eine Eisenverteilungsstörung [3].

Patientenhinweise

Anämie bei chronischer Krankheit ist eine leichte oder mittelschwere Form von Anämie, die in der Regel bei chronischen Entzündungserkrankungen, Infektionen und Krebs entsteht. Die Menge des zirkulierenden Eisens im Serum ist niedrig, aber die Körperspeicher bleiben mehr oder weniger normal. Diese Erkrankung ist häufiger bei Männern über dem Alter von 85 Jahren. Anämie bei chronischer Krankheit bildet die zweithäufigste Form von Blutarmut, nach der Eisenmangelanämie. Etwa ein Drittel der Patienten mit Anämie fallen in diese Kategorie.

Eine Reihe von Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Anämie bei chronischer Krankheit. Diese schließen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen und systemischen Lupus erythematodes ein. Krebs, Nierenerkrankungen und Infektionen sind auch mit einem erhöhten Risiko von Anämie bei chronischer Krankheit verbunden.

Die Patienten zeigen üblicherweise keine spezifischen Symptome. Müdigkeit, blasse Haut, Muskelschmerzen und Atemnot sind die häufigsten Symptome dieser Form der Anämie.
Eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung sind erforderlich, um auf das Vorhandensein von diesem Zustand zu diagnostizieren. Labortests, einschließlich Blutbild, Blutausstrich, Eisen und manchmal eine Knochenmarkbiopsie sind für die Diagnose von Anämie bei chronischer Krankheit wichtig. Die Hämoglobinspiegel dieser Patienten fallen in der Regel  in den Bereich von 8 bis 9 g/dl.

Die Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit ist der erste Schritt. Für diejenigen, die sehr milde Symptome von Anämie haben, kann keine spezifische Behandlung nötig werden. In chronischen Fällen von Anämie bei chronischer Krankheit sind Mittel, die zur Verbesserung der Produktion von roten Blutkörperchen führen, notwendig. Die Behandlung zielt darauf ab, den Hämoglobinspiegel auf mehr als 12 g/dl zu erhöhen, insbesondere bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und Personen, die mit HIV infiziert sind.

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Quellen

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  2. Means RT Jr. Recent developments in the anemia of chronic disease. Curr Hematol Rep. 2003;2(2):116.
  3. Baynes RD, Flax H, Bothwell TH, et al. Haematological and iron-related measurements in active pulmonary tuberculosis. Scand J Haematol. 1986;36:280-287. 
  4. Besarab A, Levin A. Defining a renal anemia management period. Am J Kidney Dis. 2000;36(6 suppl 3):S13-23.
  5. Roy CN, Mak HH, Akpan I, et al. Hepcidin antimicrobial peptide transgenic mice exhibit features of the anemia of inflammation. Blood. 1 2007;109(9):4038-44.
  6. Raj DS. Role of Interleukin-6 in the Anemia of Chronic Disease. Semin Arthritis Rheum. 2009;38(5):382-388.
  7. Taniguchi S, Dai CH, Price JO, Krantz SB. Interferon gamma downregulates stem cell factor and erythropoietin receptors but not insulin-like growth factor-I receptors in human erythroid colony-forming cells. Blood. 15 1997;90(6):2244-52.
  8. Weiss G, Goodnough LT. Anemia of chronic disease. N Engl J Med. 2005;352(10):1011-23.
  9. Koulaouzidis A, Said E, Cottier R, et al. Soluble transferrin receptors and iron deficiency, a step beyond ferritin. A systematic review. J Gastrointestin Liver Dis. 2009;18(3):345-52.
  10. Macdougall IC. Novel erythropoiesis-stimulating agents: a new era in anemia management. Clin J Am Soc Nephrol. 2008;3(1):200-7.
  11. Scrijvers D, Roila F. Erythropoiesis-stimulating agents in cancer patients: ESMO recommendations for Ann Oncol. 2009;20 Suppl 4:159-61.

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