Atypische Depression (Atypische Depressive Stoerung)

Der Begriff atypische Depression (AD) wird verwendet, um eine Depression zu beschreiben, die entweder auf Zustände von Angst oder Stress folgt, oder mit den Symptomen gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme oder Hypersomnie einhergeht. Ein Patient, der an einer AD leidet, zeigt viele Symptome, die auch eine klassische schwere depressive Episode kennzeichnen, aber er bleibt empfänglich für Reize aus seiner Umwelt, die seine Stimmung positiv oder negativ beeinflussen können. Betroffene sprechen zumeist besser auf eine Therapie mit Monoaminoxidase-Hemmern an, als auf eine Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern oder trizyklischen Antidepressiva.

Atypische Depression betrifft den folgenden Prozess: psychisch.

Symptome

Ein entscheidendes Merkmal der AD ist das Vermögen des Patienten, nach wie vor positiv und negativ auf Umwelteinflüsse zu reagieren. Dieses Potenzial wird als affektive Schwingungsfähigkeit bezeichnet und gilt als klinisches Hauptkriterium für die AD, da es die Differenzierung von anderen affektiven Störungen erlaubt: Jemand, der eine schwere depressive Episode erlebt oder an einer Dysthymie leidet, ist nicht mehr affektiv schwingungsfähig und äußert weder Glück noch Freude, wenn ihm etwas Angenehmes widerfährt.

Um eine AD diagnostizieren zu können, müssen zudem mindestens zwei der nachstehend genannten Nebenkriterien vorliegen [1]:

  • Übermäßiges Schlafbedürfnis, Schlafsucht, als Richtwert dienen 10 Stunden Schlaf pro Tag
  • Patient reagiert sehr sensibel auf Kritik und Zurückweisung oder angenommene Zurückweisung, was zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen und im Arbeitsalltag führt; seine Mitmenschen beschreiben ihn als verstärkt reizbar
  • Bleierne Schwere in den Beinen, die den Patienten das Gefühl vermittelt, sich nicht bewegen zu können, ohne dass dafür eine organische Ursache bestände; zuweilen auch bleierne Schwere in Kopf oder Nacken
  • Gesteigerter Appetit, der eine übermäßige Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme nach sich zieht

Die Nebenkriterien sind in der Reihenfolge ihrer Inzidenz bei AD-Patienten genannt: Mehr als die Hälfte der Betroffenen beschreibt eine Hypersomnie, während erhöhte Reizbarkeit und bleierne Schwere wesentlich seltener beobachtet werden. Nur ein kleiner Teil der Patienten zeigt einen gesteigerten Appetit und Hyperphagie.

Eine Assoziation der erhaltenen affektiven Schwingungsfähigkeit mit den Nebenkriterien konnte nicht nachgewiesen werden, weshalb die genannten diagnostischen Kriterien nicht mehr universell akzeptiert werden [2].

Diagnostik

Die Diagnose einer AD erfordert eine gründliche psychologische Untersuchung und den Ausschluss organischer Störungen. Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, ist die AD per definitionem mit einer erhaltenen affektiven Schwingungsfähigkeit verbunden. Weiterhin bestehen Symptome, die nicht charakteristisch für eine majore Depression sind, die gewöhnlich mit Schlafstörungen, einem Verlust des Appetits und einer nicht bewusst herbeigeführten Gewichtsreduktion einhergeht.

Die AD tritt selten isoliert auf und die Mehrzahl der Betroffenen hat in der Vergangenheit mindestens eine schwere depressive Episode erlebt, meist schon in jungen Jahren. Auch Angststörungen treten regelmäßig bei AD-Patienten auf [1]. Im Gespräch mit dem Patienten ist zudem auf Schuldgefühle und Suizidgedanken zu achten, die bei einem Großteil der Betroffenen vorhanden sind [3]. Es wurde wiederholt berichtet, dass viele Fälle der AD in die Kategorie der somatischen Depression einzuordnen sind, d.h. die Patienten haben ein verzerrtes Bild von ihrem Körper, leiden an Essstörungen und oft auch an migräneartigen Kopfschmerzen [4] [5]. Zudem wird die Bipolar-II-Störung immer wieder mit der AD assoziiert [1] [3] [4].

Bestehen Zweifel an der psychischen Natur der Erkrankung, sind zusätzliche Studien einzuleiten, um den endokrinen Zustand des Patienten und die Integrität des zentralen Nervensystems beurteilen zu können. Dazu dienen biochemische Analysen von Blutproben und eine magnetresonanztomographische Untersuchung des Kopfes.

Therapie

Prognose

Ätiologie

Epidemiologie

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Prävention

Zusammenfassung

Patientenhinweise

Selbsttest

Quellen

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  2. Thase ME. Atypical depression: useful concept, but it's time to revise the DSM-IV criteria. Neuropsychopharmacology. 2009; 34(13):2633-2641.
  3. Sánchez-Gistau V, Colom F, Mané A, Romero S, Sugranyes G, Vieta E. Atypical depression is associated with suicide attempt in bipolar disorder. Acta Psychiatr Scand. 2009; 120(1):30-36.
  4. Angst J, Gamma A, Benazzi F, et al. Atypical depressive syndromes in varying definitions. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2006; 256(1):44-54.
  5. Silverstein B, Angst J. Evidence for Broadening Criteria for Atypical Depression Which May Define a Reactive Depressive Disorder. Psychiatry J. 2015; 2015:575931.

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