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Kontakturtikaria

Die Kontakturtikaria (KU) ist das klinische Pendant zu einer akuten Überempfindlichkeitsreaktion, die durch direkten Kontakt mit einem auslösenden Agens getriggert wird. Das Spektrum möglicher Auslöser ist breit und umfasst unter anderem pflanzliche und tierische Produkte, Waschmittel, Kosmetika, Stoffe und Metalle wie Nickel. Die Patienten entwickeln ein charakteristisches Erythem und Quaddeln, die in der Regel stark jucken. Die KU kann, muss aber nicht, immunologisch vermittelt sein. In der Regel klingen die Beschwerden spontan ab, sobald deren Ursache beseitigt wird. Selten kommt es zu extrakutanen Komplikationen wie respiratorischen oder gastrointestinalen Symptomen oder einer Anaphylaxie.


Symptome

Die KU ist das Resultat einer Überempfindlichkeitsreaktion, die durch den direkten Kontakt von Haut oder Schleimhaut mit einer bestimmten Substanz getriggert wird. Diese Noxe wird zuweilen auch als Urtikariogen bezeichnet und bewirkt an der Stelle des Kontakts die Freisetzung vasoaktiver Mediatoren, was zur Entwicklung der klassischen Symptome führt: lokale Rötung, Quaddelbildung, Juckreiz und/oder Brennen [1] [2] [3]. Diese Symptome stellen sich binnen Minuten nach der Exposition gegenüber dem Urtikariogen ein und klingen nach Stunden, manchmal auch erst nach einem Tag, vollständig wieder ab [1] [4]. Patienten sind deshalb während der ärztlichen Untersuchung nicht selten vollkommen asymptomatisch.

Der Schweregrad der Überempfindlichkeitsreaktion und das Risiko extrakutaner Manifestationen hängt von der Pathogenese der Erkrankung ab. Immunologisch vermittelte Reaktionen gehen eher mit derartigen Komplikationen einer als nicht immunologisch vermittelte. Beispiele für solche Komplikationen sind Rhinorhoe und Epiphora, respiratorische Probleme, gastrointestinale Beschwerden und in schwersten Fällen ein anaphylaktischer Schock [3] [5].

Diagnostik

Die Diagnose der KU basiert auf einer detaillierten Anamnese und klinischen Befunden. Im Patientengespräch ist in Erfahrung zu bringen, ob Haut- und Schleimhautläsionen mit der Exposition gegenüber bestimmten Agenzien in Zusammenhang gebracht werden können. Dabei ist auch an weniger offensichtlichen, indirekten Kontakt zu möglichen Triggern zu denken, zum Beispiel an neue Waschmittel. Der Kontakt mag im beruflichen oder privaten Umfeld stattfinden [3] [5] und es hat sich als sehr hilfreich erwiesen, die Häufigkeit, die Zeitpunkte und die Lokalisation der Haut- und Schleimhautläsionen mit den Gewohnheiten des Patienten zu korrelieren. Nicht immer tritt die KU bei erstmaliger Exposition gegenüber dem Urtikariogen auf [3].

Die Anamnese ist aber nicht nur von Bedeutung, um das Urtikariogen zu identifizieren und die Exposition gegenüber demselben zu beenden, sondern auch Zweifeln an der klinischen Diagnose auszuräumen: Während das klassische Bild aus Erythem, Quaddeln und Pruritus die Diagnosestellung stark erleichtert, ist die Urtikaria möglicherweise nur schwer als solche auszumachen, wenn der betroffene Haut- oder Schleimhautbereich stärker geschädigt ist, entweder durch ein gleichzeitig bestehendes Exanthem oder Enanthem, oder durch mechanisch herbeigeführte Läsionen und bakterielle Sekundärinfektionen.

Wie oben bereits angedeutet, kommt praktisch jede Substanz, sei sie natürlicher oder synthetischer, organischer oder anorganischer Natur, als Urtikariogen infrage [1] [6] [7]. Eine in der Praxis häufig angewandte Methode zur Bestätigung einer Vermutung hinsichtlich des kausalen Agens ist die Beendigung der Exposition, die zur Remission der Symptome führen sollte. In manchen Fällen ist dies jedoch nur schwer möglich, beispielsweise bei beruflichem Kontakt zum Urtikariogen. Dann werden Provokationstests empfohlen, in denen die Reaktion des Patienten auf den Kontakt zur verdächtigen Substanz beurteilt wird. Es ist darauf zu achten, dass der Betroffene innerhalb von zwei Tagen vor der Durchführung des Tests keine Antihistaminika angewandt hat, um falsch negativen Ergebnissen vorzubeugen [3]. Bezüglich der Realisierung eines Provokationstests lässt sich zudem Folgendes sagen [1] [3] [8]:

  • Der Provokationstest sollte auf intaktem oder nur minimal geschädigtem Gewebe erfolgen.
  • Verschiedene Haut- oder Schleimhautbereiche können unterschiedlich empfindlich reagieren, sodass unter Umständen mehrere Tests durchgeführt werden müssen, im Idealfall dort beginnend, wo der Patient die KU erlitten hat. Häufig gewählte Hautbereich sind die Unter- und Oberarme sowie der Rücken.
  • Im Provokationstest sind immer Positiv- und Negativkontrollen mitzuführen, meist Kochsalzlösung und Histaminhydrochlorid.
  • Als positives Ergebnis gilt die Entwicklung einer KU binnen einer Stunde nach Auftragen einer Substanz.
  • Wenn das Auftragen der Agenzien auf die intakte Haut keine zufriedenstellenden Resultate liefert, kann die Exposition gegenüber den zu testenden Substanzen im Pricktest verstärkt werden.

Die Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion während des Provokationstests ist nicht zu unterschätzen, weshalb dieser immer unter ärztlicher Aufsicht zu erfolgen hat!

Quellen

Artikel

  1. Gimenez-Arnau A, Maurer M, De La Cuadra J, Maibach H. Immediate contact skin reactions, an update of Contact Urticaria, Contact Urticaria Syndrome and Protein Contact Dermatitis -- "A Never Ending Story". European Journal of Dermatology. 2010;20(5):552-62.
  2. Poonawalla T, Kelly B. Urticaria. American Journal of Clinical Dermatology. 2009;10(1):9-21.
  3. Maibach H, Bhatia R, Alikhan A. Contact urticaria : Present scenario. Indian Journal of Dermatology. 2009;54(3):264.
  4. Wakelin SH. Contact urticaria. Clinical and Experimental Dermatology. 2001;26(2):132-136.
  5. Williams J, Lee A, Matheson M, Frowen K, Noonan A, Nixon R. Occupational contact urticaria: Australian data. British Journal of Dermatology. 2008;159(1):125-131.
  6. Giménez-Arnau A, Silvestre JF, Mercader P, et al. Shoe contact dermatitis from dimethyl fumarate: clinical manifestations, patch test results, chemical analysis, and source of exposure. Contact Dermatitis. 2009;61(5):249-260.
  7. Stingeni L, Neve D, Tondi V, Bacci M, Lisi P. Immunological contact urticaria caused by dimethyl fumarate. Contact Dermatitis. 2014;71(3):180-183.
  8. Helaskoski E, Suojalehto H, Virtanen H, et al. Occupational asthma, rhinitis, and contact urticaria caused by oxidative hair dyes in hairdressers. Annals of Allergy, Asthma & Immunology. 2014;112(1):46-52.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 15:14