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Marfan-Syndrom

Das Marfan-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte, generalisierte Bindegewebserkrankung. Es wird durch eine Mutation im Gen FBN1 auf dem langen Arm von Chromosom 15 (15q21) verursacht.


Symptome

Es gibt mehr als 25 bis 30 unterschiedliche Zeichen und Symptome bei Marfan-Syndrom, die mit variabler Intensität auftreten können und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Diese Erkrankung verschlechtert sich mit zunehmendem Alter. Marfan-Syndrom wird immer deutlicher, wenn die Veränderungen im Bindegewebe fortschreiten.
Die Gesichtszüge der betroffenen Patienten können typisch sein. Manchmal tritt ein hoher Gaumen auf, was zu Sprachstörungen führen kann [4]. Hochwuchs mit auffällig langen Extremitäten und Fingern (Arachnodaktylie) ist zu sehen. Deformierungen der Wirbelsäule (Skoliose, Hyperkyphose), Muskelhypotrophie und Plattfüße sind ebenfalls häufig [5]. Subluxatio lentis ist ein häufiges klinisches Merkmal. Myopie und Astigmatismus können ebenfalls vorhanden sein. Striae cutis distensae sind häufig.

Die gravierendsten Anzeichen und Symptome des Marfan-Syndroms betreffen das kardiovaskuläre System, diese können zu schweren Komplikationen führen. Dilatation der Aortenwurzel, Aortenaneurysma, Aortendissektion, sowie Herzklappenfehler der Aorten- oder Mitralklappe können auftreten [6]. Kurzatmigkeit und Müdigkeit, Herzgeräusch und Angina pectoris können die Folge sein. 

Mitralklappenprolaps
  • Patienten mit Mitralklappenprolaps haben ein erhöhtes Risiko für eine Endokarditis. Vererbung : Die Erkrankung wird autosomal dominant vererbt.[stoffwechselzentrum-muenchen.de]
  • Syndrom ( ELS ) und Mitralklappenprolaps-Syndrom ( MVPS ).[medizinische-genetik.de]
  • FBN1 -Mutationen sind auch mit milderem MASS (Mitralklappenprolaps, Myopie, Aortendilatation, Skelettabnormalitäten, Striae)-Phänotyp und isolierter Linsenluxation assoziiert.[mgz-muenchen.de]
  • Der Mitralklappenprolaps (MKP) Erworbene Herzklappenfehler können sich als Insuffizienz (Schlussunfähigkeit der Klappe), als Stenose (Verengung der Klappe) oder als kombiniertes Klappenvitium äußern. Pri...[lecturio.de]
Herzgeräusch
  • Kurzatmigkeit und Müdigkeit, Herzgeräusch und Angina pectoris können die Folge sein. Da mehrere Organsysteme beeinträchtigt sind, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich.[symptoma.com]
  • "Im Kindergartenalter fallen Schlaksigkeit und Sehschwäche auf, im Grundschulalter stellen sich Herzgeräusche und Herzklappenfehler ein und in der Pubertät folgen Skoliose und Aneurysmen.“ "Als Melina fünf Monate alt war, bewegte sie sich ab Bauchnabel[rotenburger-rundschau.de]
Marfanoider Habitus
  • Die congenitale contrakturelle Arachnodaktylie (CCA; OMIM 121050 ) ist eine autosomal-dominante Erkrankung, die mit marfanoidem Habitus, Arachnodaktylie, Kamptodaktylie, verkrumpelten Ohren und mit Kontrakturen einhergeht.[genetik-dresden.de]
  • Die Gesamtheit dieser Skelettveränderungen wird auch als marfanoider Habitus bezeichnet. Marfan-Syndrom: Auge Die Veränderungen am Auge durch das Marfan-Syndrom betreffen hauptsächlich die Linse. Sie ist häufig verlagert (Linsenektopie).[netdoktor.de]
  • Da wird viel mit dem Begriff "Verdacht" gearbeitet, auch mit dem Begriff "marfanoider Habitus", aber ich hatte den Eindruck, dass viel Ärzte da auch nur sehr von Weitem drüber Bescheid wissen und auch schon mal umsonst die Pferde scheu machen.[langes-forum.de]
Iridodonesis
  • Halteapparates der Linsen (Linsenluxation) Kurzsichtigkeit Glaukom (Grüner Star hoher Augeninnendruck) Katarakt (Grauer Star Linsentrübung) Netzhautablösung: Hierdurch kommt es zu dem Symptom der Lichtblitze (Differentialdiagnose) blaue Skleren eventuell Iridodonesis[biologie-seite.de]
  • LJ), evtl. mit Iridodonesis ( Irisschlottern, nicht etwa "Linsenschlottern"), Myopie (34%), Katarakt , Retinaablösung.[enzyklopaedie-dermatologie.de]
  • Sehr selten kommt hingegen eine Iridodonesis vor. Bei dieser kommt es zu einem Irisschlottern bei Kopfbewegungen. Die Bindegewebsschwäche , die das Kennzeichen des Marfan Syndroms ist, kann zudem auch innere Organe befallen.[marfansyndrom.org]
Langer Arm
  • Das Gen für das Marfan-Syndrom befindet sich auf dem langen Arm des Chromosoms Nr. 15 (15q21). Syndrom Letzte Aktualisierung: 31.01.2010[biologie-lexikon.de]
  • Es können schwache bis starke Symptome auftreten, darunter lange Arme und Finger, flexible Gelenke sowie Herz- und Lungenprobleme. Die Diagnose basiert auf den Symptomen und der familiären Vorgeschichte.[msdmanuals.com]
  • Michelle ist groß und dünn, sie hat lange Arme, schmale Hände und Füße sowie lange Finger und Zehen. Das alles kann auf das Marfan-Syndrom hindeuten.[wol.jw.org]
  • Es wird durch eine Mutation im Gen FBN1 auf dem langen Arm von Chromosom 15 (15q21) verursacht.[symptoma.com]
  • Was vielen Zeitgenossen dennoch auffiel, war Lincolns ungewöhnliche Erscheinung – der Präsident überragte seine Mitmenschen um Haupteslänge, hatte extrem lange Arme und ein längliches Gesicht.[ratgebergesund.de]
Langes Bein
  • So sind sie meist sehr groß, und viele haben auffällig lange Beine oder Arme sowie besonders biegsame Finger. Der Hochwuchs ist oft mit einer Verbiegung der Wirbelsäule kombiniert. Zu den äußerlichen Auffälligkeiten zählt zudem eine Trichterbrust .[ratgebergesund.de]

Diagnostik

Da mehrere Organsysteme beeinträchtigt sind, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich [7]. Die Diagnose wird durch eine komplette Anamnese und körperliche Untersuchung gestellt. Ein Echokardiogramm ist nötig, um das Herz zu beurteilen. Weitere bildgebende Verfahren sollten nach Bedarf eingesetzt werden. Eine Spaltlampenuntersuchung kann eine Subluxation der Linse identifizieren. Genetische Tests können durch die Analyse des Fibrillin-1 Gen erfolgen [8].

Therapie

Marfan-Syndrom ist unheilbar, die Behandlung dient der Verhinderung und Verbesserung von Symptomen und Komplikationen. Die Lebenserwartung hat sich im Zeitraum der letzten Jahre deutlich erhöht [9]. Eine individualisierte Behandlung wird in Abhängigkeit von der Schwere der Symptome ausgewählt. Regelmäßige Echokardiogramme sollten durchgeführt werden, um den Zustand der Aorta und der Herzklappen zu bewerten. Medikamente, vor allem Beta-Blocker, können gegeben werden, um die Herzfrequenz zu verringern und den Blutdruck unter Kontrolle zu halten. Ein Augenarzt sollte regelmäßig die Augen überprüfen.

Wenn der Bewegungsapparat betroffen ist, sollte der Patient regelmäßig auf Gelenkschmerzen untersucht werden und jede Fehlstellung sollte wenn nötig korrigiert werden.
Chirurgische Eingriffe sind auch in Fällen von Aortenruptur oder Aortendissektion nötig. Klappenrekonstruktion bzw. Klappenersatz-Operation kann auch erforderlich sein [10].
Regelmäßige moderate körperliche Bewegung wird empfohlen.

Prognose

Die Prognose der Krankheit hat sich wesentlich verbessert und die Lebenserwartung der Patienten ebenfalls erhöht. Der wichtigste Faktor ist eine frühzeitige Diagnose. Gute medizinische Versorgung und soziale Unterstützung können helfen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern mit Marfan-Syndrom. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen mit Marfan-Syndrom ist ca. 70 Jahre [3].

Ätiologie

Mutationen im Fibrillin-Gen (FBN1) [1] auf dem Chromosom 15 verursachen das Marfan-Syndrom. Das Fibrillin-Gen kodiert Fibrillin, ein wichtiger Bestandteil der extrazellulären Matrix, der zur Aufrechterhaltung der elastischen Fasern, die Stärke und Flexibilität für den gesamten Körper bedeuten, dient. Gelegentlich treten Mutationen im Transforming growth factor (TGF-β) auf. Mehr als 500 Fibrillin-Genmutationen sind identifiziert worden. Verschiedene Genmutationen sind für die genetische Heterogenität des Syndroms verantwortlich. Da es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, ist der größte Risikofaktor für Marfan-Syndrom ein Elternteil mit dieser Erkrankung [2].

Epidemiologie

Das Marfan-Syndrom betrifft 1:3000-5000 Menschen und Männer und Frauen gleichermaßen. Es ist eine der häufigsten vererbbaren Erkrankungen. 3 von 4 Fällen werden aufgrund von Defekten oder Störungen des Fibrillin-1-Gen (FBN-1) verursacht. Es gib 25% sporadische Fälle die durch Spontanmutationen entstehen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal dieses Syndroms ist der variable Phänotyp.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Das Marfan-Syndrom wird durch Mutationen im FBN1-Gen auf Chromosom 15, das für Fibrillin-1 kodiert, verursacht. Fibrillin ist ein Glykoprotein, das ein wichtiger Bestandteil der extrazellulären Matrix ist. Diese extrazelluläre Matrix ist für die Bildung des Bindegewebes, sowie dessen Aufrechterhaltung erforderlich. Fibrillin-1, ist ein wichtiger Bestandteil der Mikrofibrillen in der Extrazellulärmatrix.

Die meisten Mutationen sind einzigartig und betreffen hauptsächlich eine einzelne Aminosäure des Proteins. Es gibt keine bestimmte Stelle an der die Mutation stattfindet, das gesamte Gen ist betroffen. Schwere Fälle von Marfan-Syndrom sind in der Region Exon 24 bis 32 festgestellt worden.

Transforming growth factor beta (TGF-ß) spielt eine wichtige Rolle in dieser Erkrankung, wobei Fibrillin-1 an eine inaktive Form des TGF-β bindet. Eine Theorie besagt, dass die Abnahme von Fibrillin mit erhöhter Konzentration von TGF-β ist für die Pathologie verantwortlich ist. TGF-β führt zu Freisetzung von inflammatorischen Proteasen, die nach und nach elastischen Fasern und die extrazelluläre Matrix zerstören. Da sie reich an elastischen Fasern sind, sind Aorta, Bänder und Auge am stärksten betroffen.

Prävention

Prävention ist vor allem für die Komplikationen, die auftreten könnten, wichtig. Spontane Genmutationen können nicht verhindert werden. Die genetische Beratung wird für Paare mit einer Anamnese dieser Erkrankung, die Kinder haben wollen, empfohlen.

Zusammenfassung

Das Marfan-Syndrom ist eine genetisch vererbte Erkrankung, die sich auf das Bindegewebe auswirkt. Da ein Großteil des Körpers aus Bindegewebe besteht, sind mehrere Organe betroffen. Das Marfan-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt und verursacht eine Vielzahl von klinischen Merkmalen, vor allem des muskuloskelettalen Systems, des cardiovasculären Systems und der Augen.

Typsiche Symptome sind ein langer, schlanker Körper mit langen Extremitäten und Fingern, Hyperlaxizität der Gelenke, ein hoher Gaumenbogen, Deformitäten der Wirbelsäule, Aortenaneurysma und Aortendissektion, Herzklappenfehler und Dislokation oder Luxation der Linse mit Myopie und Astigmatismus.

Patientenhinweise

Das Marfan-Syndrom ist eine vererbte Erkrankung, die das Bindegewebe beeinträchtigt. Das Bindegewebe gibt dem Körper Kraft, Flexibilität und Elastizität. Das Syndrom wirkt sich auf viele Organe des Körpers, vor allem das Herz, Auge und Skelett aus. Die Symptome variieren von Patient zu Patient. Der Schweregrad steigt mit dem Alter. Menschen mit diesem Syndrom sind in der Regel ungewöhnlich groß und dünn. Die Patienten haben lange Finger und Zehen. Die meisten Patienten mit Marfan-Syndrom haben auch ein schmales Gesicht, zusammen mit gekrümmter Wirbelsäule (Skoliose) oder andere Knochendeformationen. Mehr als die Hälfte der Patienten hat Sehprobleme. Veränderungen in Herz und Blutgefäßen können Müdigkeit und Kurzatmigkeit verursachen. 

Die Behandlung besteht überwiegend aus der Linderung der Symptome und Verhinderung von Komplikationen. Der Arzt erhebt eine vollständige Krankengeschichte einschließlich Familiengeschichte und führt eine klinische Untersuchung durch, um diese Erkrankung zu bestätigen. Bildgebende Verfahren, in erster Linie Echokardiogramm, werden ebenfalls für die Diagnosestellung verwendet.

Das Marfan-Syndrom ist unheilbar. Das Ziel der Behandlung ist, Komplikationen zu verhindern und sicherzustellen, dass der Patient ein normales Leben führen kann. Mit regelmäßiger Überwachung und moderner Behandlung können die Patienten eine normale Lebenserwartung haben.

Quellen

Artikel

  1. Kainulainen K, Karttunen L, Puhakka L, Sakai L, Peltonen L. Mutations in the fibrillin gene responsible for dominant ectopic lentis and neonatal Marfan syndrome. Nat Genet.1994 Jan; 6 (1): 64–9.
  2. McMillan JA, Feigin RD, DeAngelis C, Jones DM. (Eds). Oski'sPediatrics: Principles & Practice. Philadelphia, PA. Lippincott Williams & Wilkins. 2006.
  3. Fusar-Poli P, Klersy C, Stramesi F, Callegari A, et al. Determinant of quality of life in Marfan Syndrome. Psychosomatics.2008 May-Jun; 49 (3): 243–8.
  4. Kohlmeier L, Gasner C, Bachrach LK, Marcus R. The bone mineral status of patients with Marfan syndrome. J Bone Miner Res. 1995 Oct;10 (10): 1550–5.
  5. Van de Velde S, Fillman R, Yandow S. Protrusioacetabuli in Marfan syndrome. History, diagnosis, and treatment. J Bone Joint Surg Am. 2006 Mar; 88(3): 639–46.
  6. Zipes, Libby Bonow Braunwald. Braunwald's Heart Disease: A Textbook of Cardiovascular Medicine. 7th Ed. USA: Elsevier Saunders; 2005; p. 1894
  7. Dean JC. Marfan syndrome: Clinical diagnosis and management. Eur J Hum Genet. 2007 Jul; 15(7): 724–33.
  8. De Paepe A, Devereux RB, Dietz HC, Hennekam RC, Pyeritz RE. Revised diagnostic criteria for the Marfan syndrome. Am J Med Genet. 1996; 62 (4): 417–26.
  9. Keane MG, Pyeritz RE. Medical management of Marfan syndrome. Circulation. 2008 May 27; 117 (21): 2802–13.
  10. Gott VL, Cameron DE, Alejo DE, et al. Aortic root replacement in271 Marfan patients: a 24-year experience. Ann Thorac Sur. 2002 Feb; 73 (2): 438–43.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 15:25