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Medikamenten-induzierte Thrombozytopenie

Die Medikamenten-induzierte Thrombozytopenie (MIT) ist eine seltene unerwünschte Arzneimittelwirkung. Hierbei kommt es aufgrund der Bildung von Antikörpern und/oder einer Unterdrückung der medullären Hämatopoese zu einem Absinken der Anzahl verfügbarer Blutplättchen. Das daraus resultierende klinische Bild ist abhängig vom Grad der Thrombozytopenie und reicht von geringgradigen Haut- und Schleimhautblutungen bis hin zur ausgeprägten hämorrhagischen Diathese mit lebensbedrohlichen Blutungen im Gastrointestinaltrakt oder zentralen Nervensystem. Während die Thrombozytopenie labordiagnostisch bestätigt werden kann, muss der kausale Zusammenhang zur Arzneimitteltherapie anhand anamnestischer und klinischer Daten hergestellt werden.


Symptome

Die MIT ist eine selten zu beobachtende unerwünschte Arzneimittelwirkung, bei der es zu einem Abfall der Thrombozytenzahl auf <50*10^9/l kommt. Über eine MIT wurde im Zusammenhang mit der Applikation unterschiedlichster Pharmaka berichtet, zum Beispiel [1] [2] [3] [4] [5] [6]:

  • Chinin und Chinidin
  • Antibiotika wie Trimethoprim und Sulfamethoxazol, Vancomycin, Linezolid, Rifampin, Ceftriaxon und Penicilline
  • Antiepileptika wie Carbamazepin
  • Glykoprotein-GPIIb/IIIa-Inhibitoren wie Abciximab und Eptifibatid
  • Zytotoxische Agenzien
  • Heparin

Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Liste nicht vollständig ist.

Erste Symptome der MIT manifestieren sich für gewöhnlich mehr als eine Woche nach Anwendung der ursächlichen Arzneimittel [3] [4] [5]. Nur in Ausnahmefällen und bei Induktion durch bestimmte Pharmaka ist eine hämorrhagische Diathese schon wesentlich früher festzustellen, beispielsweise nach Applikation von Abciximab binnen weniger Stunden [5]. Bei geringgradiger Thrombozytopenie ist das klinische Bild von Haut- und Schleimhautblutungen geprägt, nämlich von Petechien und Ekchymosen, einer Neigung zur Bildung von Hämatomen nach vermeintlich milden Traumata, Epistaxis und Zahnfleischbluten [2] [4]. Eine Purpura der Haut und/oder Schleimhäute, gastrointestinale und urogenitale Blutungen und folglich Hämatemesis, Meläna, Hämatochezie und Hämaturie sowie zerebrale Hämorrhagien wurden dagegen in Fällen beschrieben, in denen die Thrombozytenzahl auf <10*10^9/l gesunken ist [4] [7].

Nach dem Absetzen des kausalen Arzneimittels normalisiert sich die Zahl der Blutplättchen und die Blutungsneigung nimmt ab.

Purpura
  • Eine Purpura der Haut und/oder Schleimhäute, gastrointestinale und urogenitale Blutungen und folglich Hämatemesis, Meläna, Hämatochezie und Hämaturie sowie zerebrale Hämorrhagien wurden dagegen in Fällen beschrieben, in denen die Thrombozytenzahl auf[symptoma.com]
  • .- ) Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura ( M31.1 ) D69.0 Purpura anaphylactoides Inkl.: Allergische Vaskulitis Purpura: allergica Purpura: nichtthrombozytopenisch: hämorrhagisch Purpura: nichtthrombozytopenisch: idiopathisch Purpura: Schoenlein-Henoch[icd-code.de]
  • Bei der arzneimittelbedingten thrombozytopenischen Purpura sind Medikamente die Auslöser. Sie können eine Immunreaktion hervorrufen, die dann die Zahl der Thrombozyten verringert.[medizinfo.de]
  • Indikation Leukämie, chronisch myeloische, Leukämie, chronisch lymphatische, Purpura, Thrombozytopenie, Cytostatikatherapie, Polycythaemia vera, Strahlentherapie, Petechien, Morbus Werlhof, Malaria, May-Hegglin-Anomalie, Bernard-Soulier-Syndrom, Fanconi-Syndrom[laboraerzte-sifi.de]
  • Mueller-Eckhardt C: Post-transfusion purpura. Br J Haematol 1986; 64: 419–424. MEDLINE 11. Mueller-Eckhardt C, Kroll H, Kiefel V: Posttransfusion purpura.[aerzteblatt.de]

Diagnostik

Die plötzliche Manifestation einer hämorrhagischen Diathese sollte immer den Verdacht auf eine iatrogene Ursache wecken [1]. Um diesen Verdacht zu untermauern, muss unbedingt eine detaillierte Anamnese realisiert werden, in der nach der Einnahme von Pharmaka zu fragen ist, die bekanntermaßen eine MIT auslösen können. Das Auftreten von Symptomen ist zudem in einen zeitlichen Zusammenhang mit der Applikation von Arzneimitteln in den vergangenen Tagen und Wochen zu bringen [1] [3] [5].

In der Allgemeinuntersuchung lässt sich eine mehr oder weniger starke hämorrhagische Diathese feststellen, die zu Blutanalysen und Koagulationsstudien veranlassen sollte [1] [3] [5]. Im Fall der MIT basiert die Blutungsneigung auf einer deutlich verminderten Anzahl an Thrombozyten, wobei der Referenzbereich für die Blutplättchen bei <150 bis 300*10^9/l liegt und ein MIT-Patient über <50*10^9/l verfügt. In Einzelfällen wurde gar über Thrombozytenzahlen von <1*10^9/l berichtet [4]. Der Schweregrad der hämorrhagischen Diathese korreliert in etwa mit der Thrombozytenzahl. Nicht selten zeigen MIT-Patienten auch eine Anämie. Es sind grundsätzlich auch die übrigen Parameter im Blutbild auszuwerten, um Differentialdiagnosen ausschließen zu können, und aus demselben Grund empfiehlt sich auch die Anfertigung eines Blutausstrichs [7].

Sobald eine vorläufige Diagnose auf eine MIT gestellt ist, können spezifischere Untersuchungen angestellt werden. So kann eine Bestätigung der Diagnose beispielsweise durch den Nachweis von medikamenten-abhängigen Antikörpern erfolgen [2]. Dazu stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, unter anderem die Durchflusszytometrie, der ELISA und der Western Blot [2] [5] [6]. In der Praxis wird von derartigen Nachuntersuchungen aus Kostengründen oft abgesehen, wenn sich die Thrombozytenzahl nach Absetzen des Medikaments wieder normalisiert.

Therapie

  • Immunglobulinen ist die Therapie der ersten Wahl. Die Gabe von Thombozytenkonzentraten ist die Therapie der ersten Wahl. Die Gabe von Glukokortikoiden ist die Therapie der ersten Wahl. 3. Sie haben Nachtdienst.[lecturio.de]
  • Therapie basiert auf Pathophysiologie Die Therapie der HIT basiert auf der komplexen Pathophysiologie der Erkrankung. A.[pabst-publishers.de]
  • Protein C-Mangel) Therapie erst nach Normalisierung der Thrombozyten möglich Siehe auch: Blutbild, klein Heparin-Therapie Gerinnungs-Diagnostik Referenz: Greinacher, Andreas: Heparininduzierte Thrombozytopenie; Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2220 [laborlexikon.de]
  • Allgemeinmaßnahmen: Heparin absetzen Medikamentöse Therapie: Lepirudin, Danaproid-Natrium Operative Therapie: Thrombektomie, Amputation Bilder gg[medizin-kompakt.de]
  • Ältere Patienten sprechen nicht so gut auf die Therapie an wie jüngere. Auch Nebenwirkungen der Therapie sind häufiger.[onkopedia.com]

Prognose

  • Verlauf und Prognose: Eine erhöhte Blutungsneigung (Hämatome (Blutergüsse), Petechien (spontane, punktförmige Blutungen/flohstichartig der Haut und Schleimhäute), Nasen- oder Zahnfleischbluten) führt den Patienten meist selbst zum Arzt.[gesundheits-lexikon.com]
  • […] überlappende Umstellung auf eine orale Antikoagulation mit Phenprocoumon sollte frühestens begonnen werden, wenn die Plättchenzahlen wieder auf Ausgangsniveau sind, da Phenprocoumon die akute prokoagulatorische Phase paradoxerweise verstärken kann. 7 Prognose[flexikon.doccheck.com]
  • Prognose bei HIT HIT (heparininduzierte Thrombozytopenie) vom Typ I ist meist ganz harmlos. Eine HIT Typ II hingegen kann schwerwiegende bis lebensbedrohliche Zustände mit sich bringen.[chirurgie-portal.de]
  • Durch Zurückhaltung bei der Steroidtherapie und die neuen Thrombopoetinrezeptor-Agonisten ist die Prognose in den letzten Jahren deutlich besser geworden.[onkopedia.com]

Epidemiologie

  • Die Thrombozytenzahl fällt auf mindestens die Hälfte des Ausgangswertes ab. 3 Epidemiologie Es ist davon auszugehen, dass bis zu 10 % der mit Heparin behandelten Patienten Antikörper ausbilden.[flexikon.doccheck.com]
  • Patienten mit einer HiT II in der Anamnese dürfen weder therapeutisch noch prophylaktisch mit Heparin behandelt werden Epidemiologie: Prävalenz der heparininduzierte Thrombozytopenie bei Patienten mit unfraktioniertem Heparin 5 % der Fälle bei Patienten[laborlexikon.de]
  • Es ist auch beschrieben, dass Substanzen je nach Patient über verschiedene Mechanismen eine Agranulozytose hervorrufen. (2,3) • zurück an den Anfang Epidemiologie Seltene Nebenwirkungen wie Agranulozytosen sind bei der Einführung einer Substanz meistens[infomed.ch]
  • In der Regel steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. 6.3.4 Schwangerschaft 6.3.4.1 Epidemiologie 6-12% aller Schwangerschaften zeigen eine Thrombozytopenie [ 42 , 64 , 138 ] .[onkopedia.com]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • Die Pathophysiologie der HIT Typ II ist extra dargestellt. Typisch für die HIT I ist ein früh auftretender, relativ milder Abfall der Thrombozytenzahl (selten Typisch für die HIT II ist ein, i.d.[klinikum.uni-heidelberg.de]
  • Peter Walger Inhalt Pathophysiologie und Klinik Differentialdiagnose Therapie Verlauf Literatur Therapieschema zum Thema "Thrombopenie und Anämie" Pathophysiologie und Klinik Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) und die thrombotisch thrombopenische[aekno.de]
  • Therapie basiert auf Pathophysiologie Die Therapie der HIT basiert auf der komplexen Pathophysiologie der Erkrankung. A.[pabst-publishers.de]
  • Definition, Ätiologie und Pathophysiologie Bild : „A film from a thrombocytopenic patients. Almost devoid of platelets.“ von Prof. Erhabor Osaro. Lizenz: CC BY-SA 4.0 Die Thrombozytopenie beschreibt einen Mangel an Thrombozyten im peripheren Blut .[lecturio.de]

Quellen

Artikel

  1. Aster RH, Curtis BR, McFarland JG, Bougie DW. Drug-Induced Immune Thrombocytopenia: Pathogenesis, Diagnosis, and Management. J Thromb Haemost. 2009;7(6):911-918.
  2. Visentin GP, Liu CY. 9. Drug-Induced Thrombocytopenia. Hematol Oncol Clin North Am. 2007;21(4):685-vi.
  3. George JN, Aster RH. Drug-induced thrombocytopenia: pathogenesis, evaluation, and management. Hematology Am Soc Hematol Educ Program. 2009;153-158.
  4. Rondina MT, Walker A, Pendleton RC. Drug-Induced Thrombocytopenia for the Hospitalist Physician with a Focus on Heparin-induced Thrombocytopenia. Hosp Pract (1995). 2010;38(2):19-28.
  5. Arnold DM, Nazi I, Warkentin TE, et al. Approach to the Diagnosis and Management of Drug-Induced Immune Thrombocytopenia. Transfusion medicine reviews. 2013;27(3):137-145.
  6. Arnold DM, Kukaswadia S, Nazi I, Esmail A, Dewar L, Smith JW, et al. A systematic evaluation of laboratory testing for drug-induced immune thrombocytopenia. J Thromb Haemost. 2013;11:169–176.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 12:53