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Okulopharyngeale Muskeldystrophie

Die okulopharyngeale Muskeldystrophie (OPMD) ist eine hereditäre Erkrankung, die im mittleren bis späten Erwachsenalter zu Ptosis, Dysphagie und einer weiteren Skelettmuskelschwäche führt. Während sich daraus regelmäßig ein hoher Leidensdruck ergibt, kommt es in seltenen Fällen auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einer Aspirationspneumonie. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung findet sie differentialdiagnostisch oft erst sehr spät Berücksichtigung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, meist chirurgisch. Trotz einer initialen Besserung schreitet die OPMD allerdings weiter fort und viele Patienten entwickeln innerhalb weniger Jahre erneut Symptome.


Symptome

Mutationen im Gen PABPN1, das für das nukleäre Polyadenylat-Bindeprotein codiert, führen bei OPMD-Patienten zur Aggregation abnormer Bindeproteine, die als kaum abbaubare Makromoleküle ihre eigene Aufgabe nur unzureichend erfüllen können und mit der Funktion vieler weiterer zellulärer Prozesse interferieren. Die Vererbung der OPMD erfolgt in den meisten Fällen autosomal dominant, aber auch autosomal rezessive Erbgänge wurden beschrieben.

Bei einer geschätzten Prävalenz von weniger als 1/100.000 Individuen ist die OPMD eine seltene Erkrankung, jedoch wurde für bestimmte Bevölkerungsgruppen eine wesentlich höhere Prävalenz festgestellt: für Bucharische Juden, die aus Usbekistan nach Israel emigriert sind, sowie für Hispanoamerikaner und Frankokanadier [1] [2]. In diesen Gruppen liegt die Prävalenz zum Teil über 1/1.000.

Leitsymptome der OPMD sind Schwächen des Musculus levator palpebrae superioris und der Rachenmuskulatur, die ein Herabhängen des Oberlides und Schluckstörungen hervorrufen. Obgleich es sich bei der OPMD um eine genetisch bedingte Krankheit handelt, manifestieren sich diese Beschwerden selten innerhalb der ersten 40 Lebensjahre. Auf der anderen Seite ist aber anzumerken, dass bei nahezu vollständiger Penetranz beinahe alle Betroffenen im Alter von 70 Jahren an Ptosis und Dysphagie leiden. Im Laufe der Zeit nehmen die Beschwerden an Intensität zu: Es fällt dem Patienten immer schwerer, das Oberlid anzuheben, und während anfänglich nur beim Abschlucken fester Nahrung Probleme bestanden, verschluckt er sich in fortgeschrittenen Krankheitsstadien auch an Flüssigkeit und regurgitiert. Die Dysphagie wird nicht selten durch eine verminderte Zungenkontrolle verschärft [3]. Langfristig können sich bei OPMD-Patienten Symptome einer Mangelernährung mit entsprechenden Nährstoffdefizienzen einstellen.

Neben den beschriebenen Funktionsstörungen der Lid- und Rachenmuskulatur entwickeln einige OPMD-Patienten auch Muskelschwächen in umschriebenen Körperregionen. Das geschieht in der Regel nach der Manifestation von Ptosis und Dysphagie, selten zuvor [4]. Die proximalen Anteile der unteren Gliedmaße sind häufiger betroffen als die proximalen Abschnitte der Arme [4] [5].

Chronisch progressive externe Ophthalmoplegie
  • Einige Formen, darunter die chronisch-progressive externe Ophthalmoplegie (CPEO) oder eine Variante namens Kearns-Sayre-Syndrom (KSS) verursachen neben Augenmuskellähmungen und weiteren komplexen Krankheitszeichen auch Schluckstörungen.[apotheken-umschau.de]
  • progressive externe Ophthalmoplegie Affektionen der Hirnnerven III, IV oder VI (bei rein okulären Symptomen) Raumforderungen im Verlauf des Nerven Tumoren Aneurysmata der A. carotis interna Sinus-cavernosus-Fistel Miller-Fisher-Syndrom Zusätzlich zu[amboss.com]
Gewichtsverlust
  • Häufig kommt es außerdem zu Allgemeinbeschwerden wie Gewichtsverlust , Abgeschlagenheit, Nachtschweiß .[apotheken-umschau.de]
Schluckstörung
  • Leitsymptome der OPMD sind Schwächen des Musculus levator palpebrae superioris und der Rachenmuskulatur, die ein Herabhängen des Oberlides und Schluckstörungen hervorrufen.[symptoma.com]
  • Die direkten möglichen Folgen einer Schluckstörung sind Malnutrition Dehydratation Aspirationspneumonie Exitus letalis Der Schluckakt Um Schluckstörungen erkennen und behandeln zu können, ist es wichtig, sich der physiologischen Abläufe und Grundlagen[dysphagie-therapie.info]
  • Bei mehr als einem Drittel der Patienten erkranken außerdem Schluckmuskeln und Muskeln der Speiseröhre – es kommt also zu Schluckstörungen.[apotheken-umschau.de]
Diplopie
  • Mittelfristig Destruktion der postsynaptischen ACh-Rezeptoren durch Komplementaktivierung Langfristig struktureller Umbau der postsynaptischen Membran und Verbreiterung des synaptischen Spaltes Symptome/Klinik Okuläre Muskulatur : Ein- oder beidseitige Ptosis , Diplopie[amboss.com]
Myopathie
  • Toxische Myopathie — Klassifikation nach ICD 10 G71 Primäre Myopathien G72 Sonstige Myopathien G73* Krankheiten im Bereich der neuromu … Deutsch Wikipedia Myopathie — Klassifikation nach ICD 10 G71 Primäre Myopathien G72 Sonstige Myopathien G73* Krankheit[translate.academic.ru]
  • Okuläre Dystrophie Okuläre Muskeldystrophie Okuläre Myopathie Pseudohypertrophie des Musculus gastrocnemius Pseudohypertrophische Muskelatrophie Pseudohypertrophische Muskeldystrophie Pseudohypertrophische Muskelparalyse Pseudohypertrophische Parese[med-kolleg.de]
  • Die klinischen Zeichen der Myopathie beginnen in der 4. bis 6. Dekade mit progredienter und oft asymmetrischer Lidptose mit kompensatorischer Kontraktion der Stirnmuskulatur und charakteristischer Retroflexion des Halses.[orpha.net]
Proximale Muskelschwäche
  • Die Erkrankung ist klinisch gekennzeichnet durch Ptose, Dysphagie und proximale Muskelschwäche. Die Symptome treten in verschiedener Ausprägung, auch innerhalb einer Familie auf.[link.springer.com]
  • Muskelschwäche mit CK-Erhöhung POLG aut.[mitogen.de]
  • Der klinische Verlauf hier ist jedoch deutlich protrahierter, und es fehlen charakteristischerweise proximale Muskelschwächen; auch sind die Fingerstrecker üblicherweise deutlicher betroffen als die Beugemuskeln.[rheumanetz.at]
  • Klinik: Proximale Muskelschwäche, initial besonders der unteren Extremität. Aufstehen aus der Hocke nur möglich mit auf den Oberschenkeln aufgestützten Händen (G OWER -Zeichen, Schwäche der glutealen Muskulatur).[de.wikibooks.org]

Diagnostik

Die OPMD bleibt häufig unerkannt, weil der Verdacht auf diese seltene Erkrankung erst gar nicht aufkommt. Die Säulen der OPMD-Diagnose sind eine gründliche familiäre Anamnese, die trotz des fortgeschrittenen Lebensalters Hinweise auf ein erbliches Geschehen erbringen sollte, und die klinische Untersuchung. Ptosis und Dysphagie mit entsprechender familiärer Vorbelastung sollten zu einer Untersuchung auf OPMD veranlassen. Das gilt umso mehr, wenn der Patient zu den o.g. Bevölkerungsgruppen mit höherer OPMD-Inzidenz zählt. De novo Mutationen machen wohl nur einen kleinen Teil aller Fälle aus [5].

Der Nachweis wird im Rahmen genetischer Analysen erbracht, die auf die Detektion des kausalen Gendefekts abzielen [6] [7]. Als pathognomonisch wird auch die Präsenz von faden- bis tubenförmigen, intranukleären Einschlusskörperchen, wie sie elektronenmikroskopisch dargestellt werden können, angesehen. Während die Muskelbiopsie früher als Goldstandard zur Diagnose der OPMD galt, ist eine solche Untersuchung heute nur noch notwendig, wenn keine Mutationen nachgewiesen werden können.

Therapie

  • Muskeldystrophie: keine kausale Therapie verfügbar PEG bei ausgeprägter Dysphagie Blepharoplastik zur Therapie der Ptosis Klinik zu: Okuläre und okulopharyngeale Muskeldystrophie Komplikationen zu: Okuläre und okulopharyngeale Muskeldystrophie Komplikationen[med2click.de]
  • Therapie Eine Korrektur der Ptose, z.B. durch Magnetbrille oder operative Oberlid-Raffung, kann durch Normalisierung auch die Dysphagie bessern. Krikopharyngeale Myotomie oder Sondenernährung sind bei schwerem Verlauf zu erwägen.[neuroscript.com]
  • -fach erhöht Diagnosestellung Bei typischem klinischem Bild primär genetische Untersuchung, wenn negativ, dann Muskelbiopsie Differenzialdiagnose Mitochondriale Myopathien, myotone Dystrophie, IBM3, Myasthenia gravis, Ptosis senilis, Kennedy-Syndrom Therapie[eref.thieme.de]
  • Intensivmedizinische Therapien : Bei Myasthenie eigentlich kontraindizierte Medikamente können bei schweren Erkrankungen und intensivmedizinischer Therapie notwendig und sinnvoll sein Bei anderen schweren Erkrankungen: Therapie trotz möglicher Kontraindikationen[amboss.com]

Prognose

  • Acetylcholinesterasehemmer und niedrigdosierte Immunsuppression häufig lebenslang notwendig Remission unter Therapie sehr häufig Okuläre Myasthenie : Prognose bei ausbleibender Generalisierung günstig Myasthene Krise : Letalität 2–3%, unbehandelt sehr[amboss.com]
  • Prognose Die Lebenserwartung für einen Mann mit DMD seit 1970 Die Mehrheit der jungen Menschen leben in ihren frühen oder Mitte der zwanziger Jahre deutlich gestiegen.[de.viva-read.com]
  • Einteilung der Gliedergürteldystrophien nach Mortier [1] Typ Genort Betrof- fenes Gen- produkt Erb- gang Mani-fest- ations- alter (Jahre) Leitsymptome Prognose LGMD 1A 5q22-q34 Myotilin aut.[de.wikibooks.org]

Epidemiologie

  • Motoneurons Definition zu: Okuläre und okulopharyngeale Muskeldystrophie Epidemiologie zu: Okuläre und okulopharyngeale Muskeldystrophie Epidemiologie Okuläre und okulopharyngeale Muskeldystrophie Genaue epidemiologische Daten zur okulären und okulo-pharyngealen[med2click.de]
  • Epidemiologie Inzidenz : 0,2–2,0 Fälle/100.000 Einwohner pro Jahr Prävalenz : Etwa 15/100.000 Einwohner [1] Geschlecht : (3:2) Alter In jedem Alter möglich (auch Kinder , 10% der Fälle ) Zwei Häufigkeitsgipfel 30–40 Jahre (mehr Frauen) 60–80 Jahre (mehr[amboss.com]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • Frauen Verlauf: Okulär Auto- Antikörper : Anti-AChR-AK (50–70%) Thymus : Fehlende Daten Immuntherapie: Gutes Ansprechen Pathophysiologie Autoantikörper Bindung und Blockade postsynaptischer Acetylcholinrezeptoren Bei Ausschüttung von Acetylcholin in den[amboss.com]

Quellen

Artikel

  1. Blumen SC, Kesler A, Dabby R, et al. Oculopharyngeal muscular dystrophy among Bulgarian Jews: a new cluster? Isr Med Assoc J. 2013; 15(12):748-752.
  2. Grewal RP, Cantor R, Turner G, Grewal RK, Detera-Wadleigh SD. Genetic mapping and haplotype analysis of oculopharyngeal muscular dystrophy. Neuroreport. 1998; 9(6):961-965.
  3. Neel AT, Palmer PM, Sprouls G, Morrison L. Muscle weakness and speech in oculopharyngeal muscular dystrophy. J Speech Lang Hear Res. 2015; 58(1):1-12.
  4. Lampe JB, Schäfer J, Gärtner HJ, Reichmann H. [Proximal weakness and exercise-induced pain as initial symptom of oculopharyngeal muscular dystrophy]. Nervenarzt. 2001; 72(8):652-655.
  5. Trollet C, Gidaro T, Klein P, Perie S, Butler-Browne G, Lacau St Guily J. Oculopharyngeal Muscular Dystrophy. In: Pagon RA, Adam MP, Ardinger HH, et al., eds. GeneReviews(R). Seattle (WA): University of Washington, Seattle.
  6. Müller T, Schröder R, Zierz S. GCG repeats and phenotype in oculopharyngeal muscular dystrophy. Muscle Nerve. 2001; 24(1):120-122.
  7. Richard P, Trollet C, Stojkovic T, et al. Correlation between PABPN1 genotype and disease severity in oculopharyngeal muscular dystrophy. Neurology. 2017; 88(4):359-365.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 13:05