Orale Haarleukoplakie

Die orale Haarleukoplakie (OHL) zählt zu den oralen Komplikationen einer Immundefizienz. Sie ist nahezu ausschließlich in Fällen zu beobachten, in denen ein erworbenes Immundefektsyndrom vorliegt, und ist daher als Marker-Erkrankung von Bedeutung. Die OHL wird durch das Epstein-Barr-Virus induziert. Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich, kann aber durch topische Applikation von Retinoiden und Virostatika erfolgen.

Der Auslöser dieser Krankheit zählt zu den infektiösen Erkrankungen.

Symptome

Die OHL zeigt sich in Form weißer bis gräulicher Plaques, die sich in der Regel einseitig und im lateralen Bereich der Zunge entwickeln. Selten sind andere Bereiche der Mundschleimhaut betroffen, aber in anderen Körperregionen wurde die OHL noch nicht beschrieben [1]. Die Plaques sind adhärent, können nicht mit einem Tupfer abgewischt und auch nicht abgeschabt werden, womit sie sich von der Candidose unterscheidet. Die Plaques sind minimal über die umgebende Schleimhaut erhaben und haben eine samtartige Oberfläche. Sie sind deutlich abgrenzbar, haben aber zumeist eine unregelmäßige, streifige Form. Im Laufe der Zeit können sie an Größe zu- oder abnehmen oder sogar spontan verschwinden, um dann erneut zu entstehen. Es wird angenommen, dass diese Evolution den Schwankungen der Immunkompetenz des Individuums folgt. Die Plaques verursachen keinerlei Beschwerden [2]. Nur sehr wenige Patienten beschreiben ein unangenehmes, drückendes oder spannendes Gefühl im Bereich der Plaques, was eine Entscheidung zur topischen Behandlung rechtfertigt.

Diagnostik

Das klinische Bild führt zum Verdacht auf eine OHL, der aber einer Bestätigung bedarf. Differentialdiagnostisch ist vor allem an eine hypertrophe Candidose, orale Leukoplakie, Lichen planus, Lingua villosa und ein Plattenepithelkarzinom zu denken, und diese Pathologien können makroskopisch nicht immer sicher von der OHL unterschieden werden. Zudem kann eine OHL durch eine Sekundärinfektion mit Candida spp. kompliziert werden. Daher ist eine Biopsie angezeigt. In der histologischen Analyse der so gewonnenen Gewebeprobe sind deutlich eine Hyperkeratose und Akanthose zu erkennen. Einzelne Zellen, vor allem im Stratum spinosum, sind ballonartig aufgebläht und ihre Zellkerne weisen dicht kondensiertes Chromatin und Einschlusskörperchen auf, was im Sinne einer Kernpyknose auf eine Degeneration des Nukleus hinweist [1]. Inflammatorische Infiltrate sind nicht zu sehen. Darüber hinaus sollte eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus nachgewiesen werden. Die Methode der Wahl hierzu ist die In-situ-Hybridisierung von viralen Nukleinsäuren in Gewebeschnitten [1]. Eine Alternative stellt die Elektronenmikroskopie dar.

Die OHL zählt zu den spezifischen oralen Symptomen einer Infektion mit dem humanen Immunschwäche-Virus bzw. dem erworbenen Immundefektsyndrom (HIV/AIDS). Ein Viertel bis ein Drittel aller Patienten mit HIV/AIDS entwickelt eine OHL [3] [4]. Allerdings wurde die OHL auch im Zusammenhang mit anderen Form der Immundefizienz beobachtet, z.B. nach längerer Applikation von Glukokortikoiden oder anderen Immunsuppressiva und bei Malignomen. Die Immundefizienz begünstigt die Infektion mit dem kausalen Pathogen, dem Epstein-Barr-Virus. Daraus ergibt sich einerseits, dass weiße Plaques im Mundraum eines HIV/AIDS-Patienten hochverdächtig auf eine OHL sind, aber auch, dass eine Evaluierung des Immunstatus notwendig ist, wenn die OHL keiner bekannten Immundefizienz zugeordnet werden kann. Insbesondere ist auf eine Infektion mit dem humanen Immunschwäche-Virus zu testen. Einzelfallberichte existieren zur OHL bei immunkompetenten Patienten [5], wenn auch die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen werden darf, dass eine bestehende Immunschwäche lediglich nicht erkannt wurde.

Therapie

Prognose

Ätiologie

Epidemiologie

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Prävention

Zusammenfassung

Patientenhinweise

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Quellen

  1. Greenspan JS, Greenspan D, Webster-Cyriaque J. Hairy leukoplakia; lessons learned: 30-plus years. Oral Dis. 2016; 22 Suppl 1:120-127.
  2. Mangold AR, Torgerson RR, Rogers RS, 3rd. Diseases of the tongue. Clin Dermatol. 2016; 34(4):458-469.
  3. Itin PH, Battegay M. [Mucocutaneous infections in immunosuppression]. Internist (Berl). 2009; 50(2):150-159.
  4. Reichart PA, Langford A, Gelderblom HR, Pohle HD, Becker J, Wolf H. Oral hairy leukoplakia: observations in 95 cases and review of the literature. J Oral Pathol Med. 1989; 18(7):410-415.
  5. Galvin S, Healy CM. Oral hairy leukoplakia in healthy, immunocompetent individuals. Ir Med J. 2014; 107(6):179-180.

  • Clinical and histologic spectrum of oral hairy leukoplakia - M Schiødt, D Greenspan, TE Daniels - Oral surgery, oral , 1987 - Elsevier
  • Clinical and histologic spectrum of oral hairy leukoplakia - M Schiødt, D Greenspan, TE Daniels - Oral surgery, oral , 1987 - Elsevier


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